Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
08.05.2017

Ring frei!

Demonstrieren allerdings muss man dort, wo man gesehen wird. Was sollte das sonst bringen?

Julia Schrenk | über Ringsperren und Demozonen

Ja Sapperlot! Jetzt war der Ring schon wieder gesperrt! Hat am Wochenende doch tatsächlich schon wieder jemand demonstriert! Und dann auch noch für die Legalisierung von Cannabis! Und gelaufen ist auch schon wieder wer! Und dann auch noch für den Frieden (am Samstag) und für den guten Zweck (am Sonntag)! Ja, wo kommen wir denn da hin?

Da werden die Horden an Autofahrern, die am Wochenende ihre Ringrunden drehen, wieder leiden! Und erst die vielen Geschäfte entlang des Rings, die am Wochenende von Menschenmassen gestürmt werden!

Zumindest sagt das die Wiener Wirtschaftskammer. Und die ÖVP. Und der Chef von der Aida. Zugangsbeschränkungen seien das! Jede Demo gefährde Arbeitsplätze! Den Unternehmern werde ihre Geschäftsgrundlage entzogen! Demozonen brauche die Stadt!

Im Ernst: Am Wochenende war der Ring wegen zahlreicher Veranstaltungen tatsächlich lange gesperrt. Für die Autofahrer ist das sicher mühsam. Aber: Wer bitte steigt denn an einem Wochenende in der Stadt freiwillig in ein Auto und fährt über den Ring? Wer fährt überhaupt einkaufen am Ring?

Wenn überhaupt, bietet sich dafür der Teil von der Urania über den Schwarzenbergplatz bis zu den Ringstrassen-Galerien an. Dort haben sich einige Möbeldesigner angesiedelt und ein paar Lokale. Wenn die Geschäfte also unter Kundenmangel leiden, dann sicher nicht, weil irgendwer demonstriert, sondern weil einkaufen am Ring nicht mehr attraktiv ist. Schon lange nicht mehr.

Und zu den Geschäften in der City fahren wohl die wenigstens mit dem Auto. Demonstrieren allerdings muss man dort, wo man gesehen wird. Was sollte das sonst bringen? Allen Empörten sei also ein kurzer Spaziergang oder eine kleine Laufrunde empfohlen – vielleicht bei einer der Veranstaltungen am Ring. Wenn man sich wieder beruhigt hat, will man vielleicht gar nicht mehr so dringend in den Ring steigen.