Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
08.02.2017

Oida, gib’ de Haxn zaum!

Man kännte das als sexistisch werten, oder einfach als Unhöflichkeit.

Julia Schrenk | über Manspreading

Vergangenen Donnerstag in der U4. Ein Sitzplatz am Rand ist frei. Ich setze mich – zumindest auf das bisschen Fläche, das mir geblieben ist. Denn linkerhand am Fenster sitzt ein Mann mit weit gespreizten Beinen. Auch nachdem ich mich gesetzt habe, macht er keinerlei Anstalten, seine Beine zu schließen und ein bisschen Platz zu machen. Zwei Stationen verharre ich in meiner Position und warte darauf, dass der Mann sich doch ein bisschen schmäler macht. Weil er das nicht tut, setze ich mich nach den zwei Stationen auf einen anderen Platz, der frei geworden ist.

" Manspreading" heißt das, wenn Männer mit breit gegrätschten Beinen da sitzen und den Platz anderer einschränken. In der U-Bahn zum Beispiel. Oder im Zug.

Man könnte das als sexistisch werten, weil der Typ nicht Platz macht, wenn sich eine Frau neben ihn setzt. Man könnte das aber auch einfach als Unhöflichkeit betrachten.

Genauso unhöflich ist es übrigens, wenn eine Frau mit weit gespreizten Beinen in der U-Bahn sitzt (das hab ich allerdings noch nie gesehen) und genauso unhöflich ist es übrigens, wenn jemand in einer vollen U-Bahn zwar seiner Handtasche oder dem Einkaufssackerl einen Sitzplatz vergönnt, aber nicht einem anderen Fahrgast.

Die Wiener Linien haben für das richtige Verhalten in der U-Bahn schon allerhand Regeln aufgestellt. Man soll keine Leberkässemmel essen und auch kein Kebab (weil das so stinkt), man soll nicht laute Musik hören und auch nicht laut telefonieren (weil man dadurch andere Fahrgäste stört), man soll sein Rad nur in den dafür vorgesehen Waggons transportieren (warum eigentlich?) und man soll nicht noch schnell in abfahrende Züge hineinhüpfen (weil man dadurch die Abfahrt verzögert). In New York mussten die U-Bahn-Betreiber eine Kampagne starten, um Manspreading zu stoppen: Dude... Stop the spread, please. It’s a space issue, ist auf Aufklebern in der New Yorker U-Bahn zu lesen. Auf gut Wienerisch heißt das:

Oida, gib’ bitte de Haxn zaum. Es warad wengan Platz.