Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Tschau, Amore

Wenn die Leidenschaft das Haltbarkeitsdatum überschritten hat, ist der Moment gekommen, sich zu verabschieden. Gut, wer die Zeichen der Zeit richtig zu interpretieren weiß, damit der letzte Akt möglichst elegant und würdig über die Bühne geht.

Mann und Frau, Frau und Mann. Das alte Spiel. Man lernt einander in einer Bar kennen, bei Freunden, bei einer Party. Da ist was, und es ist ziemlich gut. Der/die andere riecht nach Sehnsucht und nach Sex. Irgendwann landet er in ihr und sie auf ihm. Sie vögeln. Eine herrliche Nacht lang. Mehrere Nächte lang. Ein Jahr, zwei Jahre. Vielleicht nur ein paar Monate. Man haucht: Ich liebe dich. Oder: Auf dich habe ich ein Leben lang gewartet. Man hat Sehnsucht. Man ist rund um die Uhr geil. Man fühlt das Herz schlagen. So laut. Man kann nicht schlafen. Man ist immerzu am Spüren. Am Eindringen. Am Wollen. Man denkt: Hallohallo, das ist es jetzt. Für immer. Und dann, eines Tages, schleicht sich ein vages Gefühl ein. Es schmeckt nach Gurgelmittel, durchbricht die Gier, die Sehnsucht, die Perfektion des Augenblicks. Die Fehler des Sehnsuchtsobjekts werden augenfällig. Dessen Eigen-Arten. Alles anders, irgendwie. Auf dich soll ich gewartet haben? Und schwups, schwindelt sich die Liebe perfide durch den Hintereingang in den Hinterhof und von dort in den Äther des Gewesenen. Das Pech daran: Meist ist nur einer vom Entlieben betroffen. Oft einmal ist jenem, der sich entliebt hat, noch gar nicht bewusst, dass seine Gefühle ins Out taumeln und sich verflüchtigt haben. Aber beiden ist trotzdem klar: Da ist was, und das riecht verdammt nach Endzeit-Stimmung. Und noch bevor der Entliebte zum finalen Akt ansetzt, ist an vielen winzigen Details spürbar, dass etwas anders ist. Der Blick, die Art, miteinander umzugehen und zu reden. So ist das eben. Liebe muss viele Male flüchtig sein, um eines Tages ihre ganze Größe zeigen zu können. Auf Twitter boomt gerade die "I knew, it was over when . . ."-Welle, als Gegenentwurf zum "Es ist Liebe, wenn . . ."-Kitsch. Menschen erzählen in 140 Zeichen, wie ihnen dämmerte, dass sich der andere vertschüssen möchte, aber es noch nicht so richtig tut. Wiedererkennung garantiert - hier mein Best-of-Endzeit-Zeichen: Ich wusste, dass es vorbei war, als . . . - . . . seine Frau zu früh nach Hause kam und er mich als die neue Putzfrau vorstellte. - . . . er sagte, "nenn mich ab sofort beim Namen und nicht mehr Baby oder Schatz". - . . . ich merkte, dass nur mehr ich mich bemühte. - . . . er mich nur mehr wie eine Option behandelte, statt als Priorität. - . . . wir aufhörten, jede Nacht wie verrückt zu telefonieren. - . . . er meine Louboutin-Schuhe plötzlich nicht mehr schön, sondern viel zu teuer fand. - . . . Ich eine SMS bekam, mit dem Text: "Ich liebe dich, aber . . ." - . . . sie aufhörte, sich zu bemühen. - . . . ich mir Zeit nahm für ihn, aber er nicht für mich. - . . . sie mich so behandelte, wie sie alle Menschen behandelte. - . . . sie sagte: "Wir müssen reden." - . . . wir uns küssten, ich aber die Essenz der Berührung nicht mehr spürte. - . . . ich ihm simste: "Ich liebe dich" und er mir zurückschrieb: "Okay". - . . . wir immer mehr diskutierten statt zu vögeln. - . . . er seinen Status auf Facebook von "in einer Beziehung" auf "Single" änderte.