Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Steif-Tier für immer

sex IN DER FREIZEIT: Steif-Tier für immer © Bild: KURIER/boroviczeny

Der alte Mann und das Mehr - in dem Fall: sein Penis. In seinem Testament vermachte er das gute Stück dem Penismuseum in Island.

arum? Warum nur tut ein alter Herr sowas? Warum hat der am Ende seiner Tage nichts anderes im Sinn, als seinen Penis - post mortem - der Nachwelt zu hinterlassen? Als Schaustück. In einem Museum. Nicht irgendeinem natürlich, sondern dem weltweit einzigen Penismuseum. Das steht im vermutlich schönen isländischen Husavik und für dessen Besitzer Sigurdur Hjartarson ist die Wohl-Tat sicher ein Höhepunkt. Denn bisher fehlte ihm in seiner omnipotenten Sammlung ein menschliches Schwanz-Exponat. Jetzt - aber hallo - steht es da. Im Fall dieses Phalles könnte es aber auch sein, dass er nur mehr unaufgeregt in Formaldehyd schwimmt. Doch egal - Herr Hjartarson hofft nun auf einen massiven Pimmelbestaunungsboom. Anderswo sind es kleine Elefanten und Eisbären, die als Publikumsmagnet wirken. In Island setzt man auf Glied. An dieser Stelle vielleicht eine kleine Reprise zum aktuellen Spenderorgan: Ich hatte die Geschichte von der großzügigen Tat vor einer Woche an dieser Stelle klein vermerkt. Noch einmal zum Mitschreiben: Der 95-jährige Pall Arason ließ noch zu Lebzeiten in seinem Testament den Wunsch verankern, dass sein Organ für die Nachwelt erhalten bleiben soll. Ein Arzt wurde bestimmt, der den in die Jahre gekommenen Penis von Pall, dem Spender nach dessen Verscheiden abtrennen wird. Gesagt, getan - im Jänner dieses Jahres fand die Post-mortem-Kastration statt. Nun hat das Sexponat recht gute Chancen als unvergesslich in die Geschichte einzugehen. Aber wie gesagt: Warum nur? Was bewegt einen Greis dazu, seinem Schniedel auf derart anschauliche Weise Unsterblichkeit zu verleihen? Andere hinterlassen hässliche Siegelringe, abgeschnittene Locken aus der Chorknabenzeit, nach Mottenschutz stinkende Herrenunterhosen, Münzsammlungen, Briefmarken, vergilbte Liebesbriefe. Allenfalls eine etwas klebrige Pornoheftl-Sammlung. Aber einen Penis? Es kann natürlich nur Spekulation bleiben, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Burschen - egal, wie alt oder jung - schicksalhafte Liaison mit ihrem verlängerten Ego damit zu tun haben könnte. Der Penis ist und bleibt das symbolische Beweisstück des Männlichen. Ein Steif-Tier maskuliner Kraft, testosteronträchtig, lüstern. Der Autor Dietrich Schwanitz hat's in seinem Buch "Männer. Eine Spezies wird besichtigt" wunderbar beschrieben: "Dieses Messinstrument ist unbestechlich. Mit deutlich markierter Leuchtfärbung kündet der Phallus von der sexuellen Gespanntheit des Körpers. Ein Triumph der Energie! Ein Baumstamm, der aus dem Unterholz hinauf in den Himmel ragt. Und eine Widerlegung der Schwerkraft! Ein Fanal des Optimismus und eine Allegorie des Selbstvertrauens." Hm, all das will zwingend bewahrt sein - speziell in einer Lebensphase, wo der Held schwankt und keine Stehpartys mehr feiert. Vielleicht entspringt die wundersame Penisspende schlicht dem nostalgischen Sehnen nach Ewigkeit - Motto: "Und wenn ich schon gestorben bin, dann lebt wenigstens der noch weiter." Auch wenn eine Frau nur schwer ihre Vagina hinterlassen kann - aber: Das hat was. Das kann ich verstehen. Pall ist tot. Es lebe sein Phall.