Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Sexbombe, oder was?

sex IN DER FREIZEIT: Sexbombe, oder was? © Bild: KURIER/boroviczeny

Göttin oder Mutter? Jetzt weiß ich, wer ich bin - und nach welcher Sex-Strategie ich vorgehe.

Manche Leserinnen und Leser hinterlasse ich anscheinend unbefriedigt - sie hätten gerne mehr und noch mehr von mir. Mehr Luder, mehr Exzess, mehr Swingerclub-Erfahrung. Sorry, das Leben ist kein Wunschkonzert - doch ein bisschen was kann ich anbieten. Ein Testergebnis nämlich - denn das will in mir die "Jägerin und Sammlerin" identifiziert haben. Tarnen und Täuschen ist alles, hat die Freundin meiner Schulkollegin oft gesagt. Ein stadtbekanntes Luder. 15 Jahre später spannte sie der Schulkollegin den Mann aus. Das Leben schreibt seltsame Geschichten. Apropos Tarnen, Täuschen, seltsam: Ginge es nach manchen Lesern, hätte ich als Paradeluder durchs Leben zu stöckeln. Jeglicher Anflug von Biederkeit, Zellulitis oder Sexmüdigkeit würde nämlich nicht mit dieser Kolumne harmonieren. Gäbe es also ein Anforderungsprofil für praktizierende Sexkolumnistinnen, müsste das nach schwerem Parfum und ausufernder Geilheit duften. Nur das inkludiere authentische Verluderung - exzessive Promiskuität inklusive. Was gar nicht passt: Mein zuweilen zwischen den Zeilen durchschimmerndes Dasein als Ehefrau und Mutter geht! gar! nicht! Leserin N vermutet gar, man habe mangels Alternativen "den Bock zum Gärtner gemacht". Aus ihrer Sicht sei dringend ein Wechsel angesagt. Eine jüngere Luder-Ikone gehöre an meine Stelle. Denn was könne man von einer müden 50-Jährigen schon an aktuellem Erfahrungsreichtum erwarten!? Nun, ich bin mir nicht sicher, ob ich zur Offenlegung eines Lebenslaufs verpflichtet bin, der mich als evidence-based-Luder outen muss. Meinen aktuellen (aber auch alten) Beischlaf-Kontostand behalte ich - man verzeihe mir - gerne für mich. Aber ein bissl was geht bekanntlich immer, wohl deshalb verrate ich jetzt erstmals Intimes. Der Anlass: Das neue Buch Das gewisse Etwas - was Frauen unwiderstehlich macht. Darin werden "Verführerinnen-Archetypen" vorgestellt - von der Göttin bis zur Mutter. Ein Werk, das perfekt geeignet ist, sich zu testen. Gedacht, getan: Jetzt weiß ich, wer ich bin - und nach welcher Sex-Strategie ich vorgehe. Das war eh klar: Göttin ist gar nicht - dazu müsste ich stets hohe Schuhe tragen und dürfte keinen Witz erzählen. Göttinnen sind elegante Wesen, die Männern eine Aura von Unsicherheit vorgaukeln. Auch zur Kameradin tauge ich wenig: "Sie ist in jedem Fall sexy, aber vor allem eine Freundin, die lange mit ihm aufbleibt, wenn ihm der Sinn nach einer Partie Backgammon steht." Ihre Stärke sei Einfühlungsvermögen. Hm, im Zweifelsfall fühle ich mich dann doch lieber in mich selbst ein. Und denke nicht daran, wegen seiner Backgammon-Lust auch nur eine Sekunde auf Schlaf zu verzichten. Sexbombe? Njet: "Sie wackelt mit den Hüften, sie fragt nach dem Weg." Ich. Sicher. Nicht. Bliebe die Mutter: "Sie kümmert sich um das Kind im Manne und ist darauf bedacht, es ihm so angenehm wie möglich zu machen." Ich sage nur: Fragen Sie meinen Mann und die Männer vor ihm. Jetzt aber zum Testergebnis: Ich bin Konkurrentin. Diese ist am glücklichsten, wenn sie sich auf einem Spielfeld voller Männer tummelt und furchtlos Regeln brechen kann. Sie hat die Seele des Jägers und Sammlers. Für sie wäre Sex etwas "Spontanes, eine angenehme Form der Leibesübung, wie Tanzen, mit genauso vielen Partnerwechseln." Ich sage nur: Papier ist geduldig und das Leben ein Fest der Fantasie.Tipp: Lesung Gabriele Kuhn & Michael Hufnagl, 28. April, 19 Uhr Thalia Mariahilfer Straße.