Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Sex macht Macht

sex IN DER FREIZEIT: Sex macht Macht © Bild: KURIER/boroviczeny

In einer kolumbianischen Kleinstadt haben verzweifelte Hausfrauen sich dazu entschlossen, ihren Männern eine Zeit lang den Geschlechtsverkehr zu verweigern. Sex als Machtinstrument ist allerdings nichts Neues.

Auf den ersten Blick klingt das nach einer Option, etwas - auf die weiblich raffinierte Tour - zu erreichen: In der kolumbianischen Kleinstadt Barbacoas verhängten verzweifelte Hausfrauen über ihre Männer ein Koitus-Embargo mit dem Arbeitstitel "Streik der geschlossenen Beine". Mehrere Wochen lang verweigerten die Frauen sich den Männern und zogen protestierend durch die Straßen. Das Ziel des Sex-Entzugs: Man wollte den Ausbau der einzigen Zugangsstraße, die bei Regen einer Schlammpiste gleicht, erzwingen. "Bis zum Nachbardorf Junin sind es 57 km, für die wir manchmal 20 Stunden brauchen", erklärte eine Frau. Sie sah vor drei Jahren eine werdende Mutter bei der Geburt sterben, weil der Rettungswagen nicht durchkam. Also ging die Initiatorin des Streiks mit anderen Dorfbewohnerinnen auf die Straße. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift: "Für einen neuen Sonnenaufgang enthalten wir uns des Vergnügens." Die Herren - dann auch schon etwas verzweifelt - traten in den Hungerstreik. Das alles ist - in diesem speziellen Fall - durchaus nachvollziehbar und man kann den Damen nur wünschen, dass sie sich erfolgreich ans Ziel verweigerten. Um hoffentlich eines Tages die neue Straße mit einer exzessiven Orgie einzuweihen. Der Deal mit der Handelsware Geschlechtsverkehr hat eine lange Geschichte. Und wird in den Niederungen des Beziehungsalltag mitunter zu weit simpleren Zwecken eingesetzt: Wenn du nicht wenigstens zwei Mal pro Woche die Küche putzt, kannst du es dir die nächsten Tage gefälligst selber machen. Autsch. Doch auch mit Sex hat so manche Dame bekanntlich schon ihr Ziel erreicht. Frauen ließen (und lassen) sich aus vielen Gründen flachlegen. Liebe ist dabei nicht immer Triebfeder Nr. 1. So manche Schöne vögelt schlicht, um Macht auszuüben. Um Männer zu beeinflussen oder sie willig oder spendabler zu machen. Auf diese Art wurde schon so manches Geschmeide, Chanel-Handtascherl oder ein besserer Posten erschnackselt. Das eine oder andere Luderchen kann auf ihr GV-Konto gar ein hübsches Terrassen-Eigentum mit Fernblick verbuchen. Vom feinen Samt des Romantischen und dem Allzeit-Kitsch der "Liebe" befreit, gerät der Koitus so also zur Ware. Auch wenn mich jetzt manche Frauen am liebsten akut steinigen würde: Das war so. Das ist so. Und das wird immer so bleiben. Kritisch betrachtet: Gerade die Frauen monieren oft einmal, dass sie sich von Männern instrumentalisiert, benützt und ausgenützt fühlten. Keine Sterne in Athen, stattdessen Sex im Stehen. Doch ich sage: Die Herren treiben es - mal abgesehen vom Faktor "Liebe" - weil sie geil sind, weil sie sich austoben wollen. Oder weil sie dem Zwang der lustvollen Jagd und der ewigen Suche nach dem Sex-Kick erliegen. Aber ich persönlich kenne eher wenige Exemplare, die ihre Erektion als Stairway to Chef-Heaven einsetzen oder per Horizontale eine güldene Uhr erbumsen. Nur so, als Beispiel. Und, nur so, zum Nachdenken. Ja, auch Frauen können verdammt fies sein - oder sagen wir lieber "raffiniert".

Tipp: Gabriele Kuhn & Michael Hufnagl lesen bei "Sex & Night at the City", 16. 7., Rathausplatz Leobersdorf.