Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
08.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Feier-Abend

Wenn die Firmenleitung zur Betriebsweihnachtsfeier lädt, soll es so richtig menscheln. Ein frommer Gedanke, der aber allzu häufig überinterpretiert wird. Oft mutieren biedere Buchhalter und stille Sekretärinnen unter Alkoholeinfluss zu Sexmonstern.

Die (Vor-)Weihnachtszeit steht ja üblicherweise im Zeichen der Nächstenliebe - aber nicht immer wird das korrekt interpretiert. Vor allem bei betrieblichen Weihnachtsfeiern kommt es öfter vor, dass das viel zitierte "Fest der Liebe" in eine kollegiale Orgie umfunktioniert wird - speziell nach dem fünften bis zehnten Glas des von der Firma gesponserten Alkohols. Ein interessantes Phänomen, das Fragen aufwirft: Weshalb neigt das Personal dazu, sich just im Kreise der Kolleginnen und Kollegen zu entpersonalisieren? Weshalb wollen Menschen vom Typ eines seriösen Abteilungsleiters oder einer toughen Sachbearbeiterin ausgerechnet an diesem Abend beweisen, dass auch sie Gefühle, Leidenschaften und Bedürfnisse haben - und dafür durchaus bereit wären, Slip, BH und Herrenunterhose abzulegen? Man kann nur raten. Vermutlich wollen manche die Gelegenheit nutzen, um Sympathie-Punkte zu sammeln. Außerdem soll es bei so einem Gettogether einmal so richtig menscheln. Das wird - unter dem Einfluss von Alkohol - gerne falsch verstanden. So geschieht`s dann, dass der an sich eher asexuelle Assistent des Controllings endlich einmal zeigen möchte, dass in ihm ein Django steckt. Also pöbelt er den Boss lallend und coram publico nicht nur wegen dessen wirklich hässlicher Krawatte an, sondern brüllt: "Hey, Boss ich brauch mehr Geld." Oder - zu noch späterer Stunde: "Ficken Sie eigentlich noch Ihre Frau?" (Alles schon erlebt, nicht erfunden!) Die junge Dame aus der Kundenservice-Abteilung wiederum will endlich einmal mehr geben, als nur die öde Telefonstimme, die den ganzen Tag irgendwelche Monteure in irgendwelche Termin-Slots steckt. Also tanzt sie um drei Uhr morgens nur mehr lose bekleidet auf dem Tisch und grölt, wenig erkennbar, Last Christmas; I gave you my heart, but the very next day you gave it away. Der bekannt schüchterne Leiter des Bereichs "Schrauben, Muttern und allerlei anderes Kleinwerkzeug" legt indes jeglichen Genierer ab und prahlt mit den frisch erstanden Gummis X-Large, machoblack für seine "immerharte Röhr`n" ( Georg Danzer). Was die Regalbetreuerin aus der Gartenabteilung insoferne goutiert, als sie jetzt mit ihrem ganz privaten Umgang zum Thema Schlauchware brillieren kann. Im superscharfen Glitzer-Latex-Superfummel, der so gar nicht dem Dresscode des Abends entspricht. Und irgendwann gerät das Gettogether zu einem Getineinander. Die Reden der Geschäftsführung sind längst perdu, da greift der lockere Django, mittlerweile blunzenfett, die Kundenservice-Tussi am Klo aus. Miss Gartenschlauch widmet sich unter dem Plastiktannenbaum kniend der südlichen Klimazone des Muttern & Schrauben-Mannes. Wie man es auch dreht und wendet: Wo Betriebsweihnachtsfeier drauf steht, ist immer auch ein bissl Trieb drin. Dort mehr, da weniger. Vor einiger Zeit hat eine deutsche Tageszeitung ermittelt, dass jeder Zehnte auf dem speziellen Feier-Abend untreu wird - das Motto dazu: "Advent, Advent, das Laken brennt". Angeblich kommt es daraufhin in jeder sechsten Ehe zum Krach. Einen hab` ich noch: Es kommt auch immer wieder vor, dass jemand im Vollrausch kündigt. Kater vorprogrammiert.