Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
29.03.2012

sex IN DER FREIZEIT: Canal Grande kommt gut

sex IN DER FREIZEIT: 19 Mal pro Tag © Bild: KURIER/Boroviczeny

Wegen starken Zurufs ein paar weiterführende Gedanken zum Thema "Erotik der Sprache". Wir wissen, dass uns das Französische, Spanische oder Italienische gut in den Ohren liegt.

Ahhhhhh, oui. Ich war überrascht, wie sehr sich die Leserinnen und Leser beim Thema "Spracherotik" angesprochen fühlten. Zur Erinnerung: Vor Kurzem schwärmte ich an dieser Stelle von der lustvollen Anmutung romanischer Sprachen. Und dass es eben viel animierender klingt, wenn mir ein Monsieur "Mon Lapin" ins Ohr säuselt – statt eines schlichten "Nau, Haserl, geht heit no wos?"

Es gab nicht nur euphorischen Beifall. Herr Johann V. rügt: "Werte Frau Kuhn, ich liebe Ihre Essays. Aber auf Fran­zösisch gibt es reizvollere Redewendungen als die von Ihnen zitierten." Herr Johann bezieht sich vor allem auf Koseworte. Er zum Beispiel möchte keinesfalls als "lapin" abgeschleppt werden – kein Mann mehr, wer ein Hase sein muss. Ich gestehe, das hat was. Steckt doch in "lapin" – im weitesten Sinne – auch ein bissl was von Lappen. Und wer an Lappen denkt, dem liegt das "Wasch" dazu auch rasch auf der Zunge. Mag sein, dass Waschlapin immer noch besser klingt als das Wienerische Pendant – aber vitalisierend fürs Genital ist es sicher auch nicht.

Herr V. schlägt folglich Alternativen vor. Besonders zärtlich würde in seinen Ohren ein "Mon petit choux" klingen. Heißt: "Mein Kohlköpfchen".

Hmm, herzig. Aber erotisierend? "Mon petit choux" ist pure Verniedlichung. Bitte, ich will nicht wissen, was passiert, wenn ich im Sog der Geilheit plötzlich ein "petit" in den Mund nehme. Ich kenne keinen Mann, der gerne – wurscht wo, aber dort speziell nicht – "petit" sein möchte. Viel besser macht Frau ganz große Augen und sagt irgendwas in Richtung "Gran Sasso" oder "Molto importante". Im schlimmsten Fall – wenn die zündende Idee nicht kommen möchte – reicht auch ein " Canal Grande". Hauptsache, das Wort "grande" kommt oft vor.

Weitere Bedenken: Was passiert, wenn der Angesprochene der französischen Sprache nicht mächtig ist und sich (schön blöd, aber shit happens) als "Schuh" angesprochen fühlt – obwohl er doch z.  B. Huber heißt? Das könnte in sexuell expliziten Situationen heikel werden – im schlimmsten Fall glaubt der gute Mann, er würde mit einem Vorgänger verwechselt. Das mag niemand. Kein Wunder, würde die Begegnung mit einem waschlapinähnlichen Desaster enden.

Andere Frage: Wollen Frauen ein "petit choux" sein? Ich nicht. Ich bin 1,75 m groß – empfände es also als hirnlose Verhöhnung. Auch Kohlköpfchen mag ich keines sein – weil mich das wiederum an das Gericht "Kohl mit Knacker" erinnert. Und was sich dann alles in die Assoziationskette einschleicht, ist keineswegs libidotauglich. Ein weiterer Vorschlag von Herrn V. geht ins Animalische. Die Franzosen sagen zu ihren Gespielinnen "Ma poulette" – "mein Küken". So. Wenn mir einer damit kommt, schicke ich ihn ruckartig ins Hühnerschnitzelparadies. Wer mich gut kennt, weiß: Ich bin alles, nur kein Küken. Entre nous: Wenn schon Animal Farm, dann sehe ich mich eher im Saustall angesiedelt. Herr V. klärt übrigens auf, wie die Französin zum großen Franzosen im Schritt sagt, nämlich: "La Bitte". Kommt davon die Bittstellung? Hm. Ich sage nur: Nix gegen das ungarische "Rudi" für Penis. Da kann man wenigstens ein Liederl singen: "Rudi, Rudi, gib acht."

gabriele.kuhn(at)kurier.at