Kollegiales Hm

Zum Glück ist er eh ein sehr entfernter Kollege, der Herr Kollege ...

Niki Glattauer | über kollegiale Kritik

Mehr habe ich nicht gebraucht! Zur Erinnerung die Sätze einer 15-jährigen Schülerin, die ich in der aktuellen Ausgabe meines Lieblingsgratismagazins biber gefunden und hier widergegeben hatte: „(…) Wer interessiert sich schon für Mathe, wenn man am Abend ein Date hat? Wen kümmert Deutsch, wenn bald die neue H&M-Kollektion herauskommt? (...) “ Okay, darüber hätte ich mich auch empören können, so z. B.: „Urarg, denkt vor dem Schlafengehen an H&M statt an das Dehnungs-h.“ Aber warum habe ich mich nicht empört? Ehrlich, weil ich selber mit 15 vor dem Schlafengehen auch nicht an das Dehnungs-h gedacht habe, und weil mir dereinst Mathe aber so was von hm war – mit oder ohne Aussicht auf ein date (das bei uns damals nicht date hieß, sondern Rande, von Rendezvous, aber das nur nebenbei). Worauf ich hinaus will: zirka 20 kollegiale Mails, zirka 19 Empörungen.

Kollegin Gisela S. etwa meinte: Würden Lehrerinnen spannendere Lehrformen anbieten, dächten die Schüler bestimmt öfter an Deutsch oder Mathe, und wörtlich: „Aber leider dominiert noch immer der Frontalunterricht.“ Nun, Frau Kollegin, nicht dass ich Ihren modernen Ansatz nicht zu schätzen wüsste, aber in diesem Punkt sind Sie bei mir an den Falschen geraten. Darum jetzt fett gedruckt: Ich kenne keine spannendere Art zu belehren (oder belehrt zu werden) als die frontale. Können muss man’s halt. Und mehr dazu das nächste Mal.

Anders Theresa F., Privatgymnasium: „Vermutlich hilft bei Schülerinnen wie dieser nur eines: Solange ,Nicht genügend‘ und sitzen bleiben lassen, bis sie aus H&M herausgewachsen ist.“ – Hm.

Ein Prof. Friedrich K.-S. schrieb: „Ich weise Sie darauf hin, dass in Ihrem , Lieblingsgratismagazin‘ nur Ausländer und deren intellektuell minderbegabte Kinder schreiben. Woran es liegt, dass diese lieber an ,Dates‘ oder Schickimicki-Mode denken als an die Schule, und wohin das führt, hat Thilo Sarrazin eindrucksvoll dokumentiert. Bitte das zu berücksichtigen, Herr Kollege!“

Hab’ ich mir nach längerem Nachdenken gedacht: Zum Glück ist er eh ein sehr entfernter Kollege, der Herr Kollege ...

Erstellt am 11.03.2013