Kiefer- und andere Formen

Gern bekenne ich hiermit, dass biber meine Lieblingsgratiszeitung ist.

Niki Glattauer | über das Stadtmagazin biber

Leser Paul missfiel meine zuletzt zwischen den Zeilen getane Behauptung, in Sachen Bio komme nach dem Müller gleich der Billa. „Das ist unlautere Werbung, Herr Lehrer, und Nonsens. Wie jeder weiß, steht Billa nicht für erste Qualität.“ Dem, Herr Paul (Anker?), muss ich widersprechen: Billa ist super. Letzter Coup: die Zusammendings mit biber – das Magazin für neue Österreicher. Liegt ab sofort in 32 Filialen hinter den „Billa“-Kassen. Gratis. Und mit scharf.

Gern bekenne ich hiermit, dass biber meine Lieblingsgratiszeitung ist. Am Cover diesmal z. B. nur Text: „Scheiß Türke! Bin ich ein Rassist? Mach den Test!“ Machte ich. Erfreuliches Ergebnis: Ich bin keiner. War allerdings nicht so schwer. Frage 2: In der U-Bahn setzt sich ein Schwarzer neben dich. Was denkst du? a) Na und? Hallo Mensch! b) Ecstasy? Heroin? Gras? c) Vor mir aus kann er auch gelb sein. Trotzdem behalte ich ihn im Blickfeld. Kriegst du für a) gleich die vollen sechs Punkte. Dabei verdient, finde ja ich, nur die die 6 Punkte, die gar nichts denkt, wenn sich ein Schwarzer neben sie setzt, außer vielleicht: Heute ist Montag, da haben die Friseure alle zu, kann ich genauso gut in die Schule gehen statt stangeln.

Die Schule ist im biber immer ein Thema. Diesmal ein Pro und Contra zur Frage: Macht uns die Schule zu Sklaven? Anastasia Lopez, 16, (für pro): „(...) Der Satz des Pythagoras, Abwandlungen von Verben oder Kieferformen von Käfern. Wo bleibt die Zeit für Fortgehen, Freunde treffen, Spaß haben? (...)“ Daneben unter contra Elzem Sezer, 15: „(...) Ich kenne Leute, die 24 Stunden lang lernen – was geht denn mit euch ab? Wer interessiert sich schon für Mathe, wenn man am Abend ein Date hat? Wen kümmert Deutsch, wenn bald die neue H&M-Kollektion herauskommt? (...)“ Da siehst du wieder, wie nah man beisammen sein kann, selbst wenn man gegenteiliger Meinung ist.

Sonst, lieber biber, weil du ja auf Seite 26 danach fragst: Ja, absolut richtige Coverentscheidung! Wäre es der coole, tätowierte steirische Deutsch-Lehrer Paul Meier, 32, geworden, hätte ich dir kurzfristig die Treue gekündigt. Kommst du dir als normaler Lehrer ohne Peckerl, Piercings und Muckis ja so was von alt vor.

Erstellt am 04.03.2013