Reifeprüfung für die Zentralmatura

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Foto: Stephan Boroviczeny Neuer Standard: Ab 2014 sollen alle Maturanten in ganz Österreich die selben Fragen gestellt bekommen

2014 müssen alle die selben Prüfungshürden nehmen. Lehrer und Eltern sehen Schüler ungenügend gerüstet und fürchten miese Noten.

Die Zentralmatura kommt zwar erst in zwei Jahren – sie hat aber am Freitag gleich doppelt für Wirbel gesorgt. In Kärnten stellte sich heraus, dass einige AHS-Lehrer den Notenschlüssel für die neue Reifeprüfung (statt bisher 50 muss man künftig 60 Prozent für ein „Genügend“ schaffen) fälschlicherweise schon jetzt bei der Benotung von Schularbeiten angewandt haben – das hat zu einer Fünfer-Welle geführt.

In Wien waren SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bemüht, bei einem Gipfelgespräch die Proteste von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern einzufangen. Die Eltern drohen mit Klagen, sollte der erste Jahrgang "aufgrund mangelnder Organisation und mangelnder Vorbereitung" deutlich schlechter abschneiden als Maturanten der vergangenen Jahre.

Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Zentralmatura.

Was ändert sich durch die Zentralmatura?

Die „standardisierte Reifeprüfung“ besteht aus drei Säulen: Einer vorwissenschaftlichen Arbeit und – wie bisher – schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Kern ist die schriftliche Matura. Neu ist dabei, dass die Fragen dafür vom Bundesinstitut BIFIE zentral vorgegeben werden und die Prüfungen je Fach in ganz Österreich am selben Tag stattfinden. Benotet werden die Arbeiten vom Klassenlehrer – mithilfe eines vorgegebenen Benotungsschlüssels. „Der Spielraum des einzelnen Lehrers bei der Bewertung wird kleiner“, sagt BIFIE-Direktor Josef Lucyshyn. „Bisher konnte es sein, dass Lehrer unterschiedlich gewichten – und die eine Arbeit bei zwei Lehrern zwei unterschiedliche Noten brachte.“

Was soll die Zentralmatura bringen?

Schmied verspricht sich „mehr Qualität, Vergleichbarkeit und Fairness“. Die Noten im Maturazeugnis sollen besser vergleichbar sein – „ein Vorteil auch für die ,Abnehmer‘ der Maturanten“, sagt Lucyshyn, z. B. Universitäten und Arbeitgeber.

Die Zentralmatura bringt auch einen Systemwechsel: Statt (kurzfristig angestrebertem) Detailwissen sollen (langfristig abrufbare) Kompetenzen abgeprüft werden – weg vom Auswendiglernen, hin zum Verstehen.

„Die Wissensvermittlung bleibt – da müssten die Lehrer auch fit sein“, sagt Lucyshyn. Neu sei, dass die Pädagogen überprüfen müssen, ob die Schüler das Gelernte auch auf neue Aufgabenstellungen anwenden können. Lucyshyn: „Ein erheblicher Teil der Lehrer arbeitet schon mit solchen Methoden. Aber es gibt sicher auch einen Teil von Lehrern, die mit dieser Form des Unterrichts Probleme haben und sich fortbilden müssten.“

Sind Lehrer und Schüler ausreichend vorbereitet?

Kritiker bemängeln, dass die Testläufe für die Zentralmatura nicht unter „echten“ Bedingungen stattfinden. Damit fehle Anspannung und Konzentration – wie beim PISA-Test, der auch nicht „zählt“ und regelmäßig schlecht ausfällt. Allerdings sind in den Fremdsprachen laut BIFIE schon jetzt 95 Prozent der Schulen auf die Zentralmatura umgestellt – freiwillig.

Die Deutsch-Aufgaben werden kommende Woche mit 1700 Schülern auf ihre Verständlichkeit geprüft. Auch in Mathematik gibt es jährlich solche Feldtests. Und: Für die 7. Klassen gibt es nächstes Jahr eine Probe-Matura (mit dem Stoff bis zur 7.) – und dann noch eine zu Beginn der 8. Klasse.

Lucyshyn: "Aus meiner Sicht ist das eine sehr sorgfältige Vorbereitung. Sollte sich aber noch herausstellen, dass es inhaltliche Gründe für eine Verschiebung der Reform gibt, kann man immer noch rechtzeitig Alarm schlagen."

Elternvertreter Theodor Saverschel gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden: "Wir werden weiter lästig sein."

Zentralmatura: Wann sie kommt – und wen sie betrifft

Im Schuljahr 2013/’14 sollen die ersten AHS-Maturanten die „standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung“, wie die Zentralmatura im Amtsdeutsch heißt, absolvieren; im Jahr darauf folgen die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) und die Kindergartenschulen (Bakip).

Pflicht-Fächer bei der schriftlichen Matura sind an den AHS Deutsch (bzw. die Minderheitensprachen Slowenisch, Ungarisch und Kroatisch), Mathematik und eine lebende Fremdsprache (Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch). Je nach Schultyp ist eine vierte Prüfung möglich: Noch eine Fremdsprache, Physik, Biologie oder Darstellende Geometrie. Je nach Zahl der schriftlichen Klausuren müssen zwei oder drei mündliche Prüfungen abgelegt werden. An den BHS sind drei Prüfungen aus Deutsch, Englisch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache oder der Fachtheorie Pflicht.

(kurier) Erstellt am
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