über das PISA-Debakel
02/15/2016

...(fast) allen wurscht?

von Niki Glattauer

Ein paar Blicke in die Schweiz, nach Südtirol etc. würden freilich genügen.

Niki Glattauer | über das PISA-Debakel

Jeder fünfte österreichische Schüler im Alter von 15 und 16 kann also nicht sinnerfassend lesen; jeder zehnte von diesen ist in den Kulturtechniken Lesen-Schreiben-Rechnen so weit hinten, dass er das Leben, sagen wir es auf gut Wienerisch: so nicht "derpacken" würde. Da sind die vorerst letzten Analysen nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2012. So weit so schlecht. Vor allem weil es, wie der KURIER gleich nach Bekanntwerden der Zahlen dem Anlass entsprechend auf Seite 1 groß titelte, "…(fast) allen wurscht ist!"

KURIER-Expertin Ute Brühl nannte zehn Baustellen, an denen umgehend mit der Arbeit begonnen werden müsse – leider, nicht bös sein, Frau Kollegin ;-), war die wichtigste nicht dabei: Wir müssen nach dem Vorbild von Europas PISA-Gewinnern Schweiz, Polen, Südtirol, Holland, Finnland usw. endlich damit aufhören, die Kinder mit 10 Jahren zu trennen. Solange wir das – beginnend flächendeckend in den Städten – nicht tun und die eh schon "Benachteiligten" (wie Kinder mit anderen Muttersprachen, Kinder bildungsferner Eltern oder solche mit Förderbedarf auf Grund von Teilleistungsschwächen oder tristen sozialen Umständen) in Rest- und Gettoschulen stopfen, werden wir diese "Risikogruppe" (so heißt das im PISA-Fachjargon) nicht wegkriegen. Aus. Punkt. Daran können die bestausgebildeten und engagiertesten Pflichtschullehrerinnen nichts ändern.

Die Herausforderung heißt längst nicht mehr, ob eine gemeinsame Mittelschule hilft, aus der Bildungsmisere zu führen, sondern wie man es dort schafft, gleichzeitig die Spitzenschüler zu fördern und fordern. Ein paar Blicke in die Schweiz, nach Südtirol etc. würden freilich genügen!

In seinem Leitartikel zur Situation schrieb mein Chefredakteur sinngemäß: Die Parteien sollen sich endlich aus der Schule verabschieden und Fachleute ranlassen! JAWOHL! Ob ein neuer Bundespräsident die Bildung endlich zur Chefsache macht?

PS: Herr Lugner müsste dafür an seiner Orthografie vielleicht noch arbeiten: In seiner Presseunterlage zur Kandidatur las man Kohl statt Khol und Hundsdorfer statt Hundstorfer. Aber gut, sinnerfassend geschrieben war’s ja.

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