Kolumnen Realitäten
04/09/2016

Branding

Die wöchentliche Kolumne von Ulla Grünbacher.

von Ulla Grünbacher

China will skurrile, ausländische Namen für Wohnanlagen und Einkaufszentren verbieten. Die Bezeichnungen sollten die chinesische Kultur widerspiegeln. Viele chinesische Immobilienentwickler verleihen ihren Wohnprojekten aber lieber internationales Flair durch Namen wie "Grand Hills", "Palm Springs", "Beijing Riviera" oder "River Garden", um Kunden anzulocken. Auch Übertreibungen wie "Wiener Wald" für eine Wohnanlage, die nur ein paar Bäume habe, oder "Wasserstadt Venedig", wenn es nur einen kleinen Teich gebe, werden untersagt. Inspekteure sind unterwegs, um diese zu überprüfen und zu begrenzen.

Österreichische Entwickler könnten hingegen wild assozieren und die Namen ihrer Projeke gänzlich frei wählen, ganz ohne Zensur. Geht man durch die Straßen, wimmelt es nur so von Gartenparks, Stadtvillen und Herrenhäusern, mitunter mit dem Beisatz "Wohnen am Wasser". Premium-Immobilien werden zunehmend über edle Namen vermarktet. Diese sollen die Erfüllung von Wohnträumen verheißen. Allerdings reicht ein Name allein nicht, im Idealfall sollte auch noch eine wahre Geschichte dahinter stecken, welche die herrschaftliche Vergangenheit der Residenz belegt. Branding ist alles.

ulla.gruenbacher@kurier.at