über Fußball-Irrtümer
03/05/2016

Karriere mit der Fußballer-Lehre

von Paul Scharner

Nur 3 bis 4 Prozent der ausgebildeten Akademiker werden Profi-Fußballer.

Paul Scharner | über Fußball-Irrtümer

Ich hatte in den vergangenen Wochen verschiedenste Kontakte und Gespräche im Bereich Fußball und Bildung. Leider werden durch die Euphorie rund ums Nationalteam und der EURO 2016 einige Problemfelder überdeckt. Natürlich freut es auch mich sehr, dass sich Österreich endlich wieder einmal aus eigener Kraft für ein Großereignis qualifizieren konnte. Noch dazu bestehen gute Chance für ein erfolgreiches Abschneiden.

Aber rechtfertigt das den sehr hohen Preis, der im Moment dafür bezahlt wird?

Nur 3 bis 4 Prozent der Jahr für Jahr ausgebildeten Akademiker werden tatsächlich Profi-Fußballer, außerdem gibt es viele Schulabbrecher. Die Statistik dazu wird übrigens geheim gehalten. Jene Talente, die es nicht schaffen, stehen zum Großteil vor dem Nichts, weil:1. die schulische Ausbildung zu wenig Aufmerksamkeit genießt.

2. jeder Einzelne verschiedene Fähigkeiten hat, aber nur wenige für die schulische Ausbildung geeignet sind. Deswegen fehlt es ihnen an Motivation und Energie dafür.

3. sie komplett demoralisiert durch das Scheitern schon am Beginn ihres Berufslebens ein Sozialfall sind.

Obwohl nur drei Prozent vom Fußball nach der Karriere leben können, glauben viele, dass sie in diesem Business in einer anderen Position (hauptsächlich als Trainer) weiterarbeiten können. Großer Irrtum! Es gibt jetzt schon ein Überangebot, speziell im Profi-Bereich.

Zukunftsprogramm

Ich würde mir wünschen, dass die Vereine ihre gesellschafts- und sozialpolitische Verantwortung künftig ernster nehmen würden. Das "ViolaFit"-Programm, initiiert von Raimund Harreither, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Man sollte zukünftig ehrlicher und vor allem bewusster vermitteln, dass nur wenige wirklich Profi werden können. Aber: durch die Erfahrungen in der Fußballwelt können sie eine Chance bekommen, in einem anderen Bereich Karriere zu machen. Speziell, wenn sie zusätzliche, hochwertige und abgestimmte Ausbildungen angeboten bekommen. Es gibt doch nichts Schöneres als einen Ex-Akademie-Spieler, der es zwar nicht zum Profi geschafft hat, aber dann als Unternehmer Karriere macht – und eines Tages zum Verein zurückkommt und sagt: "Ihr habt mich ausgebildet, ich möchte euch etwas zurückgeben." So sollten Synergien und Partner für die Zukunft geschaffen werden.

paul.scharner@kurier.at

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