© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
08/24/2014

Pärchen unterwegs

Und plötzlich, fernab der Heimat, reift die Erkenntnis: Hey, die sind wie wir!

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Dieser mentale Ausflug war jedenfalls lustiger als die Realität.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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An sich bin ich keine Freundin von diesem Pärchen-Dings: Pärchenabende, Pärchenspiele, Pärchenausflüge. Mühsam. Entweder säuseln sich die Beteiligten in die Happypeppi-Symbiose oder der Abend endet bei getrennten Getränken und Gesprächen. Die Damen tuscheln bei Prosecco über die derzeit superdepperte Mars-Venus-Opposition, die das Beziehungsleben überschattet. Während die Herren Internet-Pornoadressen austauschen und/oder den misslungenen Querpass von Vorstadtvereinsstürmern bis zum Abpfiff wiederkäuen. Falscher Film. Andererseits ist es nett zu sehen, dass es anderen auch nicht anders geht. Eine gute Gelegenheit, das festzustellen, ist ein Pärchenurlaub. Den haben der Mann nebenan und ich gerade hinter uns – fünf Tage Stockholm mit einem sehr lieben Pärchen aus unserer kleinen Pärchen-Welt.

Hast du eh?

Das Beste daran: Man sieht einen Film von sich selbst. Etwa, wenn der andere Mann zu der anderen Frau sagt: Hast eh ... die Boardingkarten? Die Pässe? Das Kofferschloss zugemacht? Die Nagelfeile nicht vergessen? Mein Nackenkissen mit? Und ein Blasenpflaster? Man sieht das und denkt sich: Lustig! Wie bei uns. Wobei sich herausstellt, dass hier keine geschlechtsspezifische Zuordnung existiert. Bei uns bin nämlich ich für das Hast-eh?-Stakkato zuständig (wie Sie bei ihm vermutlich lesen werden. Heißer Tipp: überblättern). Wobei meine zentrale Sorge vor allem meinem Nackenkissen gilt. Egal. In Momenten wie diesen wird das Schloss-Schlüssel-Prinzip der Liebe offensichtlich. Nicht auszudenken, würden zwei aufeinandertreffen, die sich bereits bei der Anreise gegenseitig auf diese Weise fertigmachen. Da bin ich direkt dankbar, dass der Buddha an meiner Seite mit praller Weisheit um sich wirft. Indem er sagt: Ganz ruhig. Sei doch einfach froh, dass ich dich nicht vergessen hab’. Handbussi, Hufnagl.

Twitter: @GabrieleKuhn

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Faktum ist: Je mehr Menschen eine gemeinsame Reise tun, desto mehr Menschen müssen irgendwann, aber leider nur selten zur gleichen Zeit, dringend jetzt etwas essen, dringend jetzt aufs Klo, dringend jetzt eine Pause einlegen. Mehr noch, wenn auch Kinder mit von der Partie sind, die sicher dann den größten Hunger kundtun, wenn man sich gerade auf einer Aussichtsplattform, in einer Umkleidekabine oder in der Warteschlange für die von ihnen herbei gequengelte Abenteuerrundreise befindet. Da ist mitunter schon ein gutes Einverständnis mit den Harmoniegeistern gefordert. Vor allem dann, wenn die eigene Frau plötzlich nicht mehr die Einzige ist, die fragt: "Wann geht der Bus? Wann geht das Schiff? Wann geht der Flieger?" Bzw.: "Ist das der richtige Bus? Ist das das richtige Schiff? Ist das der richtige Flieger?"

Test für den Ernstfall

Zum Glück jedoch verfügt unsere Delegation in jeder kritischen Phase über jene Selbstironie, ohne die wir allenfalls dazu übergehen würden, einander absichtlich in Kirchen, Museen oder Parks zu vergessen. So haben wir etwa im Kopf (und nach dem einen oder anderen Achterl) durchgespielt, wie es wäre, das gesamte Abreise-Procedere 24 Stunden vorher zu testen. Also Hotelzimmer räumen, mit dem Taxi zum Flughafen reisen und zur Verblüffung des Personals um eine Simulation des Eincheckens bitten. Alles nur zur Sicherheit, um für den Ernstfall einen präzisen Plan zu entwickeln.

Dieser mentale Ausflug war jedenfalls lustiger als die Realität. Die vor dem magischen Augenblick des Boardings so aussieht, dass sich die nervöse Countdown-Gruppe hier und dort und immerzu allerlei Zeitpuffer einräumt, die sie dann stundenlang am Gate absitzt. Aber ehrlich: Allein das liebenswert gelöste Jetzt-kann-nix-mehr-passieren-Gesicht der Herzdame ist am Ende jede Reise wert.

Twitter:@MHufnagl

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