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24.12.2017

In Festlaune

Feiertage. Packerln, Baum und Lichterketten – und so manche Überraschung.

Er wirkt, als hätte er Bourbonvanille geschnupft.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Nein, ich habe die Lichterketten voriges Jahr nicht dermaßen „bescheuert“ (O-Ton, Mann nebenan) verwurschtelt, dass man sie heuer nur noch als Lichtinstallation mit der Bezeichnung „Schlicht-Effekt“ in eine Einkaufsstraße hängen könnte. Wo das nicht mehr entwirrbare Knäuel allen Menschen den langen Weg zum Weihnachtsfrieden weisen möge. Und nein, das Weihnachtsessen wird eh nicht „kalorienarm“, wie vor ein paar Tagen nebenbei erwähnt. Guter Mann nebenan, das war ein Witz! Aber im vorweihnachtlichen Erledigungsfuror kann es schon einmal vorkommen, dass der Humor zwischen Scheiße, den letzten Punsch hätt I nimmer trinken sollen und Wir hatten doch 799 Christbaumhaken, wo sind die jetzt alle?-Gedanken stecken bleibt.

„Eh auch gleich für Weihnachten“

Die Stimmung ist, sagen wir, auf gehobenem Chili-Niveau. Scharf und hitzig. Und dann kommt dieser Tag, den ich jedes Jahr mehr verdamme: mein Geburtstag. Acht Tage vor Weihnachten und lichterkettenartig verknüpft mit dem geschmeidigen Satz: Du, das Packerl ist eh auch gleich für Weihnachten. Und während dir die Hand zum Geburtstagsgruße geschüttelt wird, erfolgt gleichzeitig der Blick auf die Uhr: Ich muss leider weiter. Die F macht ihre Eierlikör-Sause, die ist immer so lustig. Doch da! Ein Rascheln. Der Mann nebenan hat sich angeschlichen, zwei Packerln liegen auf dem Tisch. Für dich, sagt er und wirkt, als hätte er Bourbonvanille geschnupft. Pack aus! Nach wenigen Sekunden halte ich mein 87. Teehäferl in Händen. Von ihm (1000 Rufzeichen), mit der Aufschrift: I love you more. Oh ja. Es gibt sie noch, diese letzten Weihnachts-Geburtstags-Liebeswunder. Der Rest des Abends verlief auf gehobenem Zimt-&-Zucker-Niveau. Was im zweiten Packerl drin war, verrate ich nicht. Frohes Fest!

Nächste Lesekabarett-Termine: 23. 2. Konzerthaus Weinviertel, 3. 3. Kulturzentrum Eisenstadt

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Er

Meine Lieblingsfrage der Vorweihnachtszeit war: „Glaubst du, dass du mich zum Christbaumkaufen brauchst?“ Ich vermute, dass mich meine Frau mit solchen Überlegungen auf die Probe stellen will. Ob ich der Versuchung widerstehen kann zu antworten: „Ich wüsste ehrlich gesagt nicht einen einzigen Grund, weshalb für diesen Akt deine Anwesenheit unverzichtbar sein sollte.“ Aber nach vielen gemeinsamen Jahren weiß ein gewitzter Gatte, dass er statt dessen besser sagt: „Mein Schatz, so sehr ich deine umfassende Expertise als Baumsachverständige, deine legendäre Entschlusskraft und dein unermessliches Geschick als Mitträgerin schätze, so sehr denke ich auch, dass du mir dein gütiges Vertrauen schenken kannst.“ Ja, das hört sie gerne. Zumal es ihr auch die Möglichkeit gibt, im Zuge der späteren Baumbegutachtung kritisch die Lippen zu spitzen und sich winzige Abers Marke „oben ist er fast ein bisserl zu dicht“ auszudenken. Das muss sein, um diesen feinen Unterschied zwischen „wirklich sehr, sehr prächtig“ (meine Wahl) und „ab...so...lut...per...fekt“ (wäre sie dabei gewesen) zu dokumentieren.

Heiliger Abend

Ich habe diesbezüglich schon längst enorme Gelassenheit entwickelt. Ich bin älter und weiser geworden. Und so höre ich völlig widerstandslos Weihnachtslieder von Michael Bublé, entwirre dazu vor mich hin summend Lichterketten, karre Kugeln heran und mache mich auf die Suche nach Festmenü-Ingredienzien wie Baumspinat, Haferwurzel oder Rattenschwanzrettich. Wissend, wie sehr sich die Liebste auf den Zauber des Heiligen Abends freut. Wenn wir Arm in Arm im Kreis der Familie stehen, „Stille Nacht“ hören, ins Kerzenlicht schauen und vom Glück unserer großen Liebe beseelt feststellen: „So schön ist er wieder, der Baum.“ Frohes Fest!

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 2. 2. Wien, Studio Akzent, 4. 3. Wien (CasaNova). Alle Termine 2018 auf www.paaradox.at

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