© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
04/13/2014

Ausflug in die Gartenabteilung

Wer an einem Samstag in den Baumarkt fährt, muss es auch verarbeiten.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Aber, leider: Er ist zu g’scheit, um von mir für blöd verkauft zu werden.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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Und weil es draußen so gut riecht, zerrt man den Mann nebenan an einem Samstagvormittag in den Baumarkt. Das, zugegeben, nicht ohne Gewissensbisse. Zumal sich Folgendes zutrug: 1. Der Parkplatz vor dem Garten- und Heimwerkerparadies ist übervoll. Wir stecken dort 20 Minuten in einem Stau, der der Südosttangente Konkurrenz macht. Also verwickle ich ihn in ein Gespräch über die vor ihm liegende Champions-League-Woche. Aber, leider: Er ist zu g’scheit, um von mir für blöd verkauft zu werden. Schweigen. 2. Das einzige verbliebene Einkaufswagerl ist kaputt. Was zur Folge hat, dass unser idyllisches Shopping-Miteinander weitere 10 Minuten warten muss. 3. Ich muss Lulu (ohne Worte). 4. Er muss nicht Lulu, mag aber nicht in die Abteilung "Gartenparadies". 5. Wir sind im Gartenparadies, wo ich ihn frage, wie lang die Kisterln sein müssen, die ich zu kaufen gedenke. Er: Das fragst du ausgerechnet mich? 6. Wir kaufen Kisterln in allen Größen. 7. Der Einkaufswagen ist mit Kisterln voll. 8. Neuer Einkaufswagen, ein bissi warten. 9. Ich will Kräuter und bitte ihn, nach Bohnenkraut Ausschau zu halten. Er spricht nicht mehr mit mir. 10. Wir finden das Bohnenkraut. Und Waldmeister, Estragon, Thymian. Er zischt: Wozu? Ich nehme daraufhin noch Salbei, obwohl er ihn hasst. 11. Jetzt bitte irgendwas, das rankt und Sichtschutz bietet. Er, lethargisch: Thujen sicher nicht. Ich greife zu einer Thuje, finde aber auch: Das geht gar nicht. Harmonie. 12. Wir nähern uns den Kassen aus 300 Metern Entfernung, wo die Schlange beginnt. 13. Ich flüchte daraufhin zügig in die Holzabteilung, um, keine Ahnung was, zu kaufen. 14. Ich finde was, verstecke mich aber, um nicht in der Schlange stehen zu müssen. 15. Wir verlassen den Baumarkt. 16. Ich gebe bekannt, dass ich seine Gartenhandschuhe – sein einziger Wunsch – vergessen habe. 17. Und aus.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Alle Jahre wieder sage ich "Ja". Selbstverständlich begleite ich meine Frau in die Gartenabteilung des Baumarkts. Auch, wenn es eben nicht anders geht, an einem Samstag. Und obwohl mir sogar ein Ausflug zur Jahreshauptversammlung des Vereins zur Förderung von Blockflöten-Festivals lieber wäre. Vor der Abreise setze ich auf Twitter noch einen Notruf ab. Daraufhin antwortet @gabrielekuhn: "Gesudere." @RR120_80 schreibt: "Viel Vergnügen ;-) @die_Fuechsin schreibt: "Weltidee!" @PhilMuhr schreibt: "Beileid." @jeannypart1 schreibt: "Viel Glück, meine Gedanken sind bei euch." @BirgitMathon schreibt: "Das ist wahre Liebe." @FriedrichPendl schreibt: "Fehlt nur noch James Blunt via Lautsprecher." @MHufnagl schreibt: "Das ist NICHT LUSTIG!" @Kosak_Daniel schreibt: "Wir könnten natürlich den kleinen Michi ausrufen lassen." @m_boeswarth schreibt: "Ging mir genauso! Und einer Million anderer Männer auch." @Anana_S_ schreibt: "Das hatten wir letzten Samstag." @uitztext schreibt: "Merke, Gartenarbeiten aller Art gefährden Ehen im höchsten Maß." @the_boomerang schreibt: "Vergiss die Doppelläufige nicht." @MHufnagl schreibt: "Sehr gerne habe ich die Bitte ,Kannst du Säulen-Wacholder googeln?‘" @SonjaAblinger schreibt: "Ja, soll @gabrielekuhn das jetzt auch noch selbst tun?" @WNothard schreibt: "Ich hab’ einmal Wäscheständer gegoogelt, es war grauenhaft." @gabrielekuhn schreibt: "@MHufnagl ist weg. Vermutlich muss ich ihn im Kinderland abholen." @hedu schreibt: "Schau mal bei den pneumatischen Bohrmaschinen." @IlzchenRumplest schreibt: "Er ist sicher im Bällebad." @JHormayer schreibt: "Der trinkt den Wacholder in Form von Gin, um den Rest des Tages auszuhalten." Tag danach. @GregorBarcal schreibt: "Weiß jemand, wie’s dem @MHufnagl geht? Ist der wieder lebend aus dem Baumarkt raus?" Ja, danke der Nachfrage. Grüner Daumen hoch. Twitter kann Seelen retten.

Twitter: @MHufnagl

Wir lesen! 23. April, 18 h, Raiffeisenforum, Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1, 1020 Wien. Anmeldung: events@kurier.at – Eintritt frei!

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