Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
12.11.2017

Umfallen

Das interessiert mich so, wie wenn in China a Radl umfallt

Andreas Schwarz | über Leihrad-Anbieter

Früher sagte man, wenn einem etwas Powidl war: Das interessiert mich so, wie wenn in China a Radl umfallt. Damals wusste man nur, dass China weit weg ist und es dort viele Chinesen und noch mehr Fahrräder gibt.

Heute fallen die chinesischen Radeln bei uns um. Und das kommt so: In Wien und anderswo gibt es seit Kurzem Leihrad-Anbieter aus China (und Singapur und ... – wurscht, "alle Japaner sind Chinesen", hat schon Karl Kraus gesagt). Die Radln kosten weniger als eine süß-saure Suppe. Wo der Mieter die Reste des Radls nach Verzehr (man kann aber auch radeln damit) fallen lässt, ist den Vermietern egal – Hauptsache, sie haben die Daten samt Fahrstrecke. Dafür liegen die Drahtesel dann gelb und gut sichtbar in Gebüschen, auf Gehsteigen oder im Kanal herum. So viele, dass man sie für eine künstlerische Installation halten möchte.

Interessiert’s wen? Der Bürgermeister schlägt kein Rad, seine Vize empört sich nicht (andere schon). Und im weit entfernten Peking sagen chinesische Germanisten geflügelt: "Fällt in Wien ein Ladl um, sei’s dlum".

andreas.schwarz@kurier.at