Speicherplatz

Himmelsrichtungen? Orientierung? Selbst denken? – Hoffnungslos überschätzt.

Andreas Schwarz | über Navi, Cloud und Erinnerungen

Kürzlich hat wieder einmal ein Autofahrer sein Fahrzeug in einen See gelenkt, weil ihm sein Navi bei Regen und Nebel diesen Weg empfahl. Der Vorfall in Vermont, USA, erinnert an den Buslenker, der vor Jahren mit einer Schülergruppe aus Belgien zum Skifahren nach La Plagne in den Alpen wollte – und 600 Kilometer entfernt in den Pyrenäen landete.

Himmelsrichtungen? Orientierung? Selbst denken? – Hoffnungslos überschätzt. Wir wissen zwar noch die erste Telefonnummer aus unserer Kindheit, aber die der besten Freunde aktuell kennen wir nicht. Computer und Mobile wissen eh alles, irgendwo in der Cloud sind Erinnerungen und der Rest gespeichert, wozu noch Speicherplatz im Kopf bemühen?

Irgendwann, wenn das Handy verloren geht oder jemand gleich das ganze Internet stiehlt, haben wir zwar den Scheam auf, wie der Wiener sagt. Aber wer will schon so düster denken. Hoffen wir lieber auf eine App, die sagt, wo links und rechts ist. Das hülfe noch im Leben.

( kurier.at ) Erstellt am 03.03.2018