Kolumnen | Ohrwaschl
30.05.2017

Schlaf, los!

Wer unausgeschlafen aussieht, der wird von seinen Mitmenschen gemieden, ergab eine Studie. Das ist dann logisch, wenn es sich beim Unausgeschlafenen um einen Piloten, Chirurgen oder Kernkraftwerkstechniker handelt – in diesen Fällen sollte man tatsächlich darauf achten, zwischen sich und dem Nichtschläfer ein paar Meter bis Kilometer Distanz zu haben.

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit, in der das Statussymbol wenig Schlaf (Manager, Politiker, Wissenschaftler) und das Statussymbol Ausgeschlafenheit nebeneinander existieren: Wer wichtig ist, schläft wenig, wer noch wichtiger ist, kann es sich leisten, genügend zu schlafen. Andersrum: Wer zu viel schläft, macht sich verdächtig, weil er unproduktiv ist – wer zu wenig schläft, macht sich noch verdächtiger, weil er als fehleranfällig und labil gilt, als Sicherheitsrisiko.

Der moderne Mensch soll stets wach und aktiv sein und gleichzeitig immer ausgeschlafen. Es ist daher kein Wunder, dass niemand mehr richtig schlafen kann und die Schlafambulanzen überrannt werden.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 31. Mai in der Kulisse Wien und am 8. Juni im Casino Baden zu sehen.