Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
24.10.2017

Wünschen

Es sei klar, "dass ich mir gerne mehr gewünscht hätte", sagte Christian Kern

Andreas Schwarz | über das Wünschen

Mit dem Wünschen (nein, wir reden ausnahmsweise nicht über Weihnachten heute in zwei Monaten) ist das so eine Sache. Als Kind wünscht man sich unschuldig viel; später warnt irgendwer vor Maßlosigkeit – und dann ist’s vorbei mit der Wunsch-Unbefangenheit.

"Ich tät’ mir bitte gerne wünschen", sagen Hörer, die sich im Radio ein Lied wünschen dürfen, gerne verwortakelt – wieso "tät’’? Wieso nicht "ich wünsche mir"? Es sei klar, "dass ich mir gerne mehr gewünscht hätte", sagte Christian Kern nach der Wahl – wieso "gewünscht hätte"?Hat er nicht? Liegt das Wahlergebnis gar an dieser Unentschlossenheit?

Apropos Wahl: Von New York Times bis Spiegel wird analysiert, ob Österreichs Wahlsieger ein gestrig Böser, ein Opportunist von heute oder ein neuer Emmanuel Macron sei – dahinter versteckt sich oft der Wunsch des Verfassers als Vater des meist ahnungslosen Gedankens.

Darum: Einfach wünschen, gerad heraus. Ohne viel hätt’, würd’ oder anderem Vesteckspiel. Tät’ man sich manchmal wünschen ...