Pistenraupe und Eskimo

Der Raupen-Gag ist ja nett. Aber nichts gegen die Mutter aller "practical jokes"

Andreas Schwarz | über Spaß und Ethik

Jetzt wissen wir also: Die falsch gelieferte Pistenraupe (nach Seefeld in Schleswig-Holstein statt Seefeld in Tirol) war ein PR-Gag, der auf Facebook Furore machen sollte. Und den seine Erfinder auch nicht aufklärten, als Medien dem vermeintlichen Speditionsfehler nachgehen wollten. Weshalb der PR-Ethik-Rat ein Verfahren gegen den Tourismusverband Seefeld (Tirol) eingeleitet hat.

Der Raupen-Gag ist ja nett. Aber nichts gegen die Mutter aller "practical jokes", mit der der große Helmut Qualtinger vor 65 Jahren narrte: Auf geklautem Briefpapier des PEN-Clubs avisierte er die Ankunft des für den Roman "Brennende Arktis" berühmten "Eskimodichters" Kobuk in Wien. Medien berichteten vorab, schickten Reporter zum Westbahnhof, und aus dem Zug stieg, verhüllt in Pelz, Qualtinger. Und sagte auf die Frage nach seinem ersten Eindruck von Wien: "Haaß is." Noch Tage nach dem aufgeflogenen Coup berichtete die Arbeiter Zeitung über den fiktiven Eskimodichter.

Heute wäre Kobuk ein Inuitdichter. Und der Ethik-Rat fände ihn trotzdem nicht lustig.

( kurier.at ) Erstellt am 30.11.2016