Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
30.09.2017

Liegende Punkte (2)

In der Vertikalen lassen die Abfahrtshelden gerne "Zeit liegen"

Andreas Schwarz | über Zeit und Punkte

Was passiert mit all den Punkten, die in den Fußball-stadien dieser Welt "liegen gelassen" werden? So fragten wir hier kürzlich zu einer häufigen Formulierung im Sportjargon. "In ein paar Wochen", schreibt Leser F., "wird auf den verschiedenen Skirennpisten haufenweise liegengelassene Zeit herumkugeln."

Stimmt: In der Vertikalen lassen die Abfahrtshelden gerne "Zeit liegen". Die Slalomwedler wieder lassen "Hundertstel am Übergang zum Steilhang liegen". Manchmal sogar "wertvolle Hundertstel". Was gemein ist. Weil der nächste fährt vielleicht drüber über so ein Hundertstel und verkantet. Ein anderer "holt sich dort Zeit", weil sie grad so rumliegt. Das verfälscht den Wettbewerb! Und addiert man all die Zeit, die auf der Piste liegen gelassen wird – was, wenn das neue Bestzeit ergibt? Kann man die Zeit im Fundbüro abholen? Wer hat heutzutag’ überhaupt so viel Zeit, dass er sie einfach liegen lässt? Nur gut, dass die Zeit auf der Piste nie den Punkt im Stadion trifft – zu keinem Zeitpunkt. Das wär’ sonst ein furchtbares Durcheinand’.