über Bärlauch
04/02/2017

Lieber hunger’ ich ...

von Andreas Schwarz

Und es beginnt die redundante Debatte, ob das Gewächs Gemüse oder Unkraut ist

Andreas Schwarz | über Bärlauch

"Jedes Jahr aufs Neue stimmt der Schüttelreim, den Sie einmal erdichtet haben", erinnert sich Leser H. freundlicherweise an Zeilen an dieser Stelle, und in der Tat: Jetzt hat sie wieder begonnen, die Zeit, in der selbst fulminante Köche und solche im dritten Bildungsweg darum wetteifern, wer jedwedes Gericht mit dem grünen Wir-wollen-es-nicht-Nennen verfeinern kann – selbst Grießschmarr’n gibt’s wohl bald mit ihm.

Und es beginnt die redundante Debatte, ob das Gewächs Gemüse oder Unkraut ist, das in der Küche nichts zu suchen hat. Ob wir es als ein Geschenk der Natur an den Gaumen schätzen oder als Beleidigung desselben hassen müssen, weil es nachhaltig jeden anderen Geschmack abtötet. Die Inbrunst, mit der der Diskurs vom Feuilleton bis zum selbstberufenen Geschmackskritiker geführt wird, wird nur noch vom Gestank/Duft im Wald übertroffen, den das Grüne verströmt.

Ach ja, der Schüttelreim, noch einmal zur Erinnerung und in der Tat mit Inbrunst: Lieber hunger’ ich mit Leerbauch, als ich ess’ etwas mit Bärlauch.

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