Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
08.02.2018

Glück fassen

Heute gibt es kaum noch Fensterpölster zu erspähen. Noch kaumer einen Briefkasten.

Andreas Schwarz | über Rauchfangkehrer und Glück

Die Angebote, das Glück zu fassen, werden von Mega-Jackpots bis zu Dating-Apps und Glücksratgebern immer mehr. Überall liegt es einfach so rum, das Glück. Aber das Glück dann wirklich zu fassen zu bekommen, das wird immer schwieriger. Ein Beispiel:

Der Rauchfangkehrer ist der Inbegriff des Glücksbringers. Zum Jahreswechsel und danach, wenn’s schneit, stimmen wir ihn gerne mit einem Schmattes gewogen (zumindest der Kamin dankt es). Daneben gibt es den alten Brauch, sich beim Ansichtigwerden eines Rauchfangkehrers an einen Hemd-/Mantel-/Hosenknopf zu fassen und den so lange zu halten, bis man einen Fensterpolster und einen Briefkasten gesehen hat – dann darf man sich was wünschen.

Da hält man lang. Denn heute gibt es kaum noch Fensterpölster zu erspähen. Noch kaumer einen Briefkasten. Beides zusammen ist quasi wie ein Jackpot. Aber ohne Wunscherfüllungsgarantie. Ohne Post und Polster wird’s aberglaubenmäßig aber schon gar nix mit dem Glück. Mithin, siehe oben: Nicht zu fassen, wie schwierig das ist.