Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
01.07.2017

Grob geschätzt

Jetzt schlägt, was sommers immer schlägt: die Stunde der Gelse

Andreas Schwarz | über grobe Schätzungen

Die vorhergesagte "längste Hitzewelle aller Zeiten" ist nun doch kürzer geworden, jetzt schlägt, was sommers immer schlägt: die Stunde der Gelse. Und die der Daumen-x-Pi-Zeitung Österreich. Die weiß alljährlich, ob 100.000, Hunderttausende oder eine Million Gelsen zum Stechangriff starten. Kürzlich titelte das Blatt noch für ein Wochenende: "1 Million Blitze". Wer das wohl zählt?

Das erinnert an den Scherz, den sich vor Jahrzehnten ein für seinen Schalk berüchtigter Chefredakteur mit einem seiner Redakteure erlaubte: Er rief an, gab sich als Meteorologe der Hohen Warte aus, deren Blitzzählgerät durch Blitzschlag ausgefallen sei, und bat den einen Stock tiefer sitzenden Jung-Schreiberling, vom Fenster des Presse-Hochhauses aus die Blitze über Wien zu zählen. Was der mit Block und Bleistift auch tat (von kichernden Chefs heimlich beobachtet).

Übrigens: Das österreichische Blitzortungssystem Aldi zählte 2017 bisher knapp 40.000 Blitze über Österreich. Das mit der Million dürfte bei Blitz wie Gelse dann doch ein bisschen grob geschätzt sein.