Notiz aus St. Moritz: Flüssiges für Flüssige

Der teuerste Whisky, den der Devils Place anbietet, kostet 9999 Franken, das sind umgerechnet 9369 Euro.

Christoph Geiler | über Schätze in St. Moritz

Man kommt in St. Moritz recht schnell drauf, dass es nichts gibt, was es hier nicht gibt. St. Moritz ist ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit ein wenig Kleingeld lässt sich hier alles regeln. Und mag der Wunsch noch so ausgefallen sein.

Als ein Gast einst seinen TV-Abend in 3000 Metern Seehöhe verbringen wollte, ließ das Badrutt’s Palace Hotel mit dem Helikopter einen Flatscreen auf den Berg bringen. Legendär ist natürlich auch die Episode, als ein anderer zahlungsfreudiger Gast auf die Idee kam, dass ausgerechnet ein Elefant seiner Frau ein Geschenk überreichen sollte. Mit hausgemachten Pralinen wurde der Dickhäuter in die Hotellobby gelockt.

Im Waldhaus am See hätten sie mit einem Elefanten keine Gaudi. Dort lagern, gesichert durch dicke Glasvitrinen und versteckt in Holzkisten, ganz besondere Schätze. Der Devils Place, wie die Hotelbar heißt, wartet mit der größten Whisky-Sammlung der Welt auf und schaffte schon mehrmals den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Wer sich durch das gesamte Sortiment durchkosten möchte, der bräuchte knapp sieben Jahre. Wenn er denn nicht mehr als ein Glas am Tag trinkt – und wenn er vor allem dementsprechend flüssig ist.

Der teuerste Whisky, den der Devils Place anbietet, kostet 9999 Franken, das sind umgerechnet 9369 Euro. Dafür gibt’s dann aber nicht eine ganze Flasche, sondern zwei Zentiliter. Zugegeben, der Macallan stammt auch aus dem Jahr 1878 und wurde 27 Jahre im Spezialfass gelagert.

Aber auch die Weinkarte im berühmten Waldhaus am See gleicht vom Umfang her einem Telefonbuch. Hier finden sich edle Tropfen, die ein Ottonormalverdiener nur tröpfchenweise zu sich nehmen könnte. Die Magnum-Flasche Château Mouton-Rothschild aus dem Jahr 1945 kostet umgerechnet 60.696,32 Euro.

Das ist selbst für St. Moritzer Verhältnisse teuer: Nach diesem Wein werde nicht allzu oft gefragt, gestand der Kellner. Ähnlich verhält es sich mit dem Macallan-Whisky aus dem Spezialfass. Weil es auf der Welt nur mehr 25 Flaschen gibt, ist der Macallan von 1878 tatsächlich: unverkäuflich.

( kurier.at ) Erstellt am 10.02.2017