Meinung | Kolumnen | Na da schau her
06.11.2015

Im wilden Osten

Bellende Hunde waren gestern. In einen ordentlichen Haushalt gehören heute Flinte und Pistole beinahe schon zum Standardinventar

Mag. Natascha Marakovits | über die Zunahme der Waffenbesitzer

"Vorsicht, hier wache ich!" Als Kind hat mir ein Schild mit diesem Satz auf der Haustür meiner Nachbarn Respekt eingeflößt. Im Kleinkindalter waren es die gefletschten Zähne des Schäferhundes, der darauf abgebildet war. Später, als ich lesen konnte, wurde der Respekt nicht weniger. Obwohl mich der Mischling gut kannte, zeigte er mir stets mit lautem Gebell, dass ich mich auf fremden Terrain befinde. Auch meine Oma setzte auf die altbewährte Vierbeiner-Methode. Rauhaardackel "Franzi" wachte bis zu ihrem letzten Atemzug stets an ihrer Seite und Oma fühlte sich beschützt.

Waren es in den letzten Jahren noch Hunde, die ungebetene Gäste abschrecken sollten, wird nun aufgerüstet. Bellende Hunde waren gestern. In einen ordentlichen Haushalt gehören heute Pfefferspray, Flinte und Pistole beinahe schon zum Standardinventar wie Mixer und Co.

Das Geschäft mit der Angst boomt. Ob das mit der anhaltenden Flüchtlingskrise zusammenhängt, sei dahingestellt. Ein möglicher Zusammenhang kann jedenfalls nicht so einfach vom Tisch gewischt werden.

Es ist ja auch zum Fürchten: von Zäunen und einer Festung ist die Rede. Mehr Polizisten und Soldaten braucht das Land. Was die Politik in großen Tönen von sich gibt, setzt der kleine Mann zuhause um: Aufrüsten. Denn schützen kann man sich bekanntlich nur selbst. Und Hunde die bellen, beißen angeblich ja auch nicht. Also zur Waffe greifen.

Dass das Burgenland das sicherste Bundesland ist, zeigen die Zahlen der Kriminalstatistik jedes Jahr schwarz auf weiß. Dennoch ist das Sicherheitsgefühl im Land ordentlich ins Wanken geraten. Viele und anscheinend immer mehr haben Angst. Klar, jeder Einbruch ist einer zu viel. Aber statt der Pistole im Schrank hätte ein knurrender Franzi wahrscheinlich abschreckendere Wirkung.

Das Schild auf der Haustür meiner Nachbarn gibt es übrigens noch immer. Hund haben sie keinen mehr. Vielleicht wurde er gegen eine Waffe getauscht. Ich weiß es nicht, weil die bellt ja nicht.

eMail: natascha.marakovits@kurier.at