Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
18.05.2016

Parallelgesellschaft

Mit uns ist es ein bisschen so wie mit den Türken in Favoriten. Wenn wir wollten, könnten wir in unserer eigenen Community bleiben.

Julia Schrenk | über Waldviertler in Wien

Mit uns Waldviertlern in Wien ist es ein bisschen so wie mit den Türken in Favoriten. Wenn wir wollten, könnten wir in unserer eigenen Community bleiben.

Es gibt Wohnungen, die nur von Waldviertlern an Waldviertler vergeben werden. Wenn uns nach einem Schweinsbraten mit Waldviertler Knödeln und einem kühlen Zwettler (oder Schremser) Bier gelüstet, wissen wir, in welches Waldviertler Wirtshaus wir in Wien gehen müssen.

Wenn wir Party machen wollen, können wir aufs "Woodman" gehen, ein riesiges Festl, zu dem viele Waldviertler seit Jahren extra nach Wien fahren, um dann mit jenen Menschen zu feiern, die sie ohnehin aus dem Waldviertel kennen.

Mit dem Waldviertel Pur, das heuer erstmals am Rathausplatz zelebriert wird, ist das ähnlich. Die Waldviertler kommen deshalb extra nach Wien, die Waldviertler in Wien pilgern dann drei Tage lang täglich dorthin.

So viel "mia san mia" ("mia san sterka wia die Bam, wei mia Woidviertler san") ist mir ja oft zu viel. Ich bin schließlich nicht in die Großstadt gezogen, um dann wie im Dorf zu leben.

Trotzdem lande ich dann irgendwie trotzdem immer wieder am Waldviertel Pur. Weil: So ein Zwettler Zwickl in Waldviertler Gesellschaft, das kann schon was.