Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
06.12.2017

Videobotschaft

Wenn die Jammerei zu viel wird, hilft ein Blick von außen.

Julia Pfligl | über Wien im Advent

Wir Wiener neigen ja dazu, in der Vorweihnachtszeit alles noch ein bisschen schlimmer zu finden als sonst. Das mag an den vielen Touristen liegen, die pünktlich zur Christkindlmarkteröffnung die U-Bahnen fluten. Oder am Wintereinbruch, der die Straßenbahnen kurzzeitig zum Stillstand bringt. An den "furchtbar kitschigen" und "gänzlich geschmacklosen" Lichtern am Rathausplatz. Oder am Alkoholgeruch, der sich punschbedingt in die ohnehin schon suboptimale Öffi-Luft mischt. Oder...

Ok, ich bin schon still. Wenn die Jammerei zu viel wird, hilft ein Blick von außen – zum Beispiel vom renommierten Modemagazin Harper’s Bazaar, das uns auf seiner Facebook-Seite den Spiegel vorhält. "Du wirst nicht glauben, wie schön Wien im Advent ist", heißt es in dem kurzen, englischsprachigen Video, das unsere Stadt als Epizentrum der vorweihnachtlichen Romantik anpreist. "Alles ist beleuchtet" steht unter Bildern vom dekorierten Graben, und weiter, nicht minder euphorisch: "Der Rathausplatz wird in einen riesigen Eislaufplatz verwandelt und erstrahlt in verschiedenen Farben" (von wegen Kitsch). 20.000 haben den Beitrag geherzt und geliked – da könnte man fast ein bisserl stolz werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die 2018 nicht alle auf unseren Christkindlmarkt wollen.