„Bin beim Wirt’n“

Seinenfeinsäuberlich beschrifteten Tür-Schildern fehlt es nicht an Lausbubenhaftigkeit.

Mag. Uwe Mauch | über einen Schuldner

Der Fredl von der 12er-Stiege ist grundsätzlich kein schlechter Mensch. Allerdings zweifelt seine Bank an seiner Glaub- und Kreditwürdigkeit. Schon öfters stand daher der Gerichtsvollzieher vor seiner Tür. Doch der Mittfünfziger will sich von ihm nicht die Laune verderben lassen. So wie die Gäste in Mehr-Stern-Hotels, die an ihre Hotelzimmertüren außen Bitte nicht stören!-Schilder hängen, bittet auch der Fredl den Herrn vom Gericht, nicht zu stören. Seinen selbst gebastelten und feinsäuberlich beschrifteten Tür-Schildern fehlt es nicht an Lausbubenhaftigkeit:

„Bin nicht zu Hause, kommen Sie wieder, wenn Sie weniger Zeit haben.“

„Klopfen sinnlos, bin auf der Suche nach mir selbst – beim Wirten.“

„Bin nicht da, bin beim Wirten, von 5 Uhr bis . . .“

„Bin auf der Suche nach gestern.“

Die Informationspolitik vom Fredl finden nicht alle auf seiner Stiege lustig, am wenigsten kann der Gerichtsvollzieher darüber lachen. Der Akt vom Fredl wird immer dicker. Und es wird kein gutes Ende nehmen mit dem Fredl. Zwar besitzt er nichts mehr, was man ihm nehmen kann. Andererseits hat er auch kaum eine Chance mehr auf Arbeit und Anerkennung.

( kurier.at ) Erstellt am 20.07.2017