über "Zuagroaste"
04/27/2016

Annäherung

von Julia Pfligl

So blieb man unter sich – und "der Wiener" blieb der große Unbekannte.

Julia Pfligl | über "Zuagroaste"

Seit Kurzem befindet sich im Freundeskreis eine bis dato unbekannte Spezies: die waschechte Wienerin. Trotz mehrerer Jahre in der Hauptstadt waren solche Begegnungen die Ausnahme geblieben – sowohl auf der Uni als auch im Studentenheim tummelten sich hauptsächlich Zuagroaste, die auf dieselbe tollpatschige Art versuchten, ihren Dialekt an die neue geografische Lage anzupassen. So blieb man unter sich – und "der Wiener" blieb der große Unbekannte.

Und dann saß sie plötzlich vor uns, die gebürtige Wienerin, und wir hingen an ihren Lippen, als erzählte sie von einer fremden, sagenumwobenen Welt, die wir nur aus der Zeitung kannten. Einer nach dem anderen bewarf sie mit Fragen à la "Wie ist das so, ohne Garten aufzuwachsen?" oder "Hast du Allergien?" (Landkinder sind sehr stolz auf ihre Kindheit im Dreck). Später klagte sie über ihren jüngsten Besuch bei der Familie ihres Freundes auf dem Land, wo ihr noch viel blödere Fragen gestellt wurden: Ob sie denn keine Angst hätte – vor der bösen Stadt, der bösen U6, den bösen Ausländern. Und zwar von Leuten, die seit Jahren nicht in Wien gewesen waren. Nein, entgegnete sie, sie habe keine Angst – es sei ja ihre Heimat. Wir, die Zuagroasten, die Wahl-Wiener, nickten zustimmend, und plötzlich fühlten wir uns alle seltsam verbunden.

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