Kolumnen | Meine Stadt
07.06.2017

Liebevolle Streiche

Eine Endzwanzigerin sein bedeutet...

... sich bei der Urlaubsplanung nicht mehr nur nach den Ferienzeiten, sondern nach den Hochzeiten der Freunde zu richten, die mit einem Mal regelmäßig eintrudeln. Vergangenes Wochenende war ich etwa bei einer Hochzeit in Bulgarien.

Ein besonders schöner Brauch, den es dort gibt: Wann immer ein Hochzeitsgast "Gortschiwo" ruft, muss sich das Brautpaar küssen. "Gortschiwo" heißt nämlich bitter. Und damit das Leben des Brautpaars nicht bitter wird, müssen sie süß zu einander sein. Eine ähnliche Tradition gibt es in Spanien. Allerdings sind die Gäste dort direkter und rufen gleich "Que se besen" ("Küsst euch!"). In Dänemark dürfen indes die Gäste Braut und Bräutigam küssen – und zwar, wenn der jeweils andere den Saal verlassen hat. Alles äußerst liebevolle Bräuche.

Wenn ich an österreichische Hochzeitstraditionen denke, fallen mir vor allem die Streiche ein, die dem Brautpaar gespielt werden. Eine Erinnerung ist mir besonders präsent: Ich war damals vielleicht sechs Jahre alt. Meine Eltern und deren Freunde hatten sich in die Wohnung des Ehepaars geschlichen und stellten am Boden Hunderte mit Wasser gefüllte Plastikbecher auf, so dass sich das frisch vermählte Paar nicht bewegen würde können, ohne alles vollzupritscheln. Dazu verstopften sie die Waschbecken in Küche, Bad und Klo, ja sogar die Badewanne mit Hydrokugeln. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sich die Erwachsenen beim Aufstellen der Becher vor Lachen geschüttelt haben.

Unsere Traditionen sind vielleicht nicht ganz so verschmust, aber wer braucht schon Küsse, wenn es schwarzen österreichischen Humor gibt?