Zu langweilig?

Die zwei haben längst weltweit den Durchbruch geschafft.

Gert Korentschnig | über Waltz und Haneke

Einmal ist keinmal, heißt es ja immer wieder. Und zwei Mal? Das ist, österreichischen Gepflogenheiten entsprechend, eigentlich schon eine Tradition.

Zum zweiten Mal haben Michael Haneke und Christoph Waltz einen Golden Globe gewonnen. Zum zweiten Mal sind die beiden für einen Oscar nominiert. Auch wenn das noch keine Regelmäßigkeit darstellt: Ein Zufallstreffer kann das nicht mehr sein. Die zwei haben längst weltweit den Durchbruch geschafft.

Wobei sich die künstlerische Vita der beiden nur bedingt vergleichen lässt. Haneke hatte, auch aufgrund der konsequenten österreichischen Filmförderung, Zeit, sich zu einem der wichtigsten europäischen Filmemacher zu entwickeln. Von jener Kritik, die stets auf kommerzielle Erfolge schielte, wurde er nicht gut behandelt.

Waltz hingegen war im deutschsprachigen Raum bestenfalls ein Mitläufer, der auch von Entscheidungsträgern nicht allzu ernst genommen wurde – obwohl er in manchen Fernsehrollen glänzend spielte. Man erzählt sich etwa folgende Geschichte: Als es darum ging, eine Hauptrolle in einer großen Koproduktion, einem Fernseh-Vierteiler, zu besetzen, wurde Waltz mit dem Argument abgelehnt, er sei doch zu langweilig. Die Rolle bekam übrigens Bernhard Schir, was nicht gegen diesen spricht, aber für die Visionslosigkeit in der Besetzungspolitik.

Bestimmt gäbe es in Österreich noch andere Waltze.

Erstellt am 14.01.2013