über die Auswirkungen des direktoralen Bauchflecks
03/16/2014

System Hartmann: Ein Faustschlag

von Gert Korentschnig

Geht es am Theater um Schauspieler oder um Gewinnmaximierung für Intendanten?

Gert Korentschnig | über die Auswirkungen des direktoralen Bauchflecks

Dass das Burgtheater gerade künstlerisch führungslos ist; dass ein Interregnum bevorsteht; dass Steuern in Millionenhöhe nachgezahlt werden müssen; dass sich Gerichte monatelang mit der dubiosen Buchhaltungspraxis auseinandersetzen werden; dass die wichtigste Bühne im deutschen Sprachraum primär mit Finanzskandalen und internen Streitigkeiten Schlagzeilen macht ... das sind nur die vordergründigsten Auswirkungen des direktoralen Bauchflecks.

Ebenso schlimm sind die Kollateralschäden, die durch die Entlassung von Hartmann fast zwingend auftreten mussten. Um das nicht falsch zu verstehen: Minister Josef Ostermayer hat rasch und richtig gehandelt. Aber das System Hartmann, der in der Süddeutschen Zeitung (von einem Wiener Autor) als Repräsentant der "Generation Gier" bezeichnet wurde, ist durch das Publikwerden mancher Gagen wie ein Faustschlag für eine ganze Branche, in der die meisten höchstseriös agieren und ökonomisch ums Überleben kämpfen.

Auch da muss klargestellt werden: Hartmann hat nur genommen, was ihm zustand (ob alles korrekt versteuert wurde, wird noch zu prüfen sein). Dass jedoch solche Bezüge möglich waren, ist indiskutabel.

Reden wir jetzt nicht von immensen Kosten der Großproduktionen, bleiben wir bei einem kleinen, feinen musikalischen Abend wie "Spatz und Engel". Dafür erhielt Hartmann 50.000 Euro – für einen Hauch von Regie, die im Programmheft als szenische Einrichtung ausgewiesen wird. 50.000 zum Intendanten-Gehalt von 220.000 – das ist unverschämt, auch wenn er dafür bei "Die letzten Zeugen" auf separate Honorierung verzichtete. Bestimmt haben die Protagonistinnen nur einen Bruchteil davon erhalten. Geht es am Theater um Schauspieler oder um Gewinnmaximierung für Intendanten? Man möchte meinen, dass es kein Wunder ist, dass Hartmann besonders gern im Burg-Kasino arbeitete.

Eine der Lehren: Solche Verträge, die eine schamlose Ausnützung des Systems ermöglichen, dürfen im öffentlichen Bereich nie wieder vergeben werden.

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