über die Bilanz von Luc Bondy
06/16/2013

Good Luc, bad Luc

von Gert Korentschnig

Er hätte besser schon vor Jahren, als es am schönsten war, gehen sollen.

Gert Korentschnig | über die Bilanz von Luc Bondy

Die Wiener Festwochen, deren Marketing oft innovativer war als deren Programm, legten ihren Besuchern heuer weiße Taschentücher auf die Sitze mit der Aufschrift: „Bye, bye and good Luc.“ Falls jemandem in Anbetracht dessen, dass es sich um das letzte von Luc Bondy verantwortete Festival handelte, zum Weinen war.

Aber wie good war Bondy wirklich in seiner 16 Jahre dauernden Intendanz? Zu Beginn sehr. Vor allem als Regisseur: An manche seiner Inszenierungen, etwa von Tschechows „Möwe“, erinnert man sich noch gerne. Aber auch als Ermöglicher: Er konfrontierte das allzu oft nur im eigenen Saft schmorende Wien mit anderswo längst existierenden theatralischen Zugängen von Regisseuren wie Castorf oder Marthaler. Dass dieses Konzept so aufging, sprach für Bondy, aber auch gegen die meisten der damaligen Theater.

Er war auch ein wichtiger politischer Mahner, wenn es etwa um den Vormarsch der Rechten ging. Und er hatte exzellente Partner an seiner Seite: die Schauspielverantwortliche Marie Zimmermann oder den Musikchef Hans Landesmann.

Aber gibt es in künstlerischer Hinsicht auch einen bad Luc? Selbstverständlich. Die Wahl von Stéphane Lissner zum Musikverantwortlichen ging nach hinten los und beschädigte auch den Intendanten. Bondy drehte sich in den vergangenen Jahren bei seinen Regiearbeiten und seiner Einladungspolitik im Kreis. Er hätte besser schon vor Jahren, als es am schönsten war, gehen sollen. Es war richtig von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Verhandlungen mit Martin Kušej zu führen. Und falsch von Bürgermeister Michael Häupl, diesen zurückzupfeifen. So viel zur Frage, ob Politiker auch in Wien künstlerisch mitmischen.

Symptomatisch für Bondys Intendanz ist seine neue „Tartuffe“-Inszenierung: Er hat grandiose Schauspieler zur Verfügung, teuerste Kostüme, alle Voraussetzungen also – und macht regiemäßig so gut wie nichts daraus. Verschenkter Luxus. Aber man merkt: Da war mal was.

Die Vorfreude auf Nachfolger Markus Hinterhäuser ist enorm.

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