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11.06.2017

Vorhand, Rückhand, Vorhand ...

Thiem zu Nadal, Nadal zurück zu Thiem...

Guido Tartarotti | über Tennis im Fernsehen.

Das Interessante beim Tennis ist ja auch dieses: Man weiß nicht, wann es aus ist. Und man weiß (außer beim ersten Spiel) nicht, wann es anfängt. Ein Tennismatch kann nach zwei Minuten zu Ende sein (wenn einer w. o. gibt). Es kann eine Stunde dauern oder fünf. (Vom Match Isner gegen Mahut 2010 in Wimbledon wollen wir gar nicht reden, das dauerte drei Tage).

So kam es am Freitag dazu, dass Zigtausende Österreicher, die Thiem gegen Nadal sehen wollten, Wawrinka gegen Murray sehen mussten. Was sie da noch nicht ahnen konnten: Sie sahen das viel bessere Match.

Das Thiem-Spiel verlief dann enttäuschend, glatt und kühl. Thiem hatte keine Chance. Oder, wie es der Kommentator Oliver Polzer auszudrücken beliebte: „Nadal ist so unangenehm und fehlerlos.“ Und er machte auch keine Anstalten, angenehmer und fehlerhafter zu werden.

Schön ist es, dass der ORF, gezwungen durch Thiem, wieder mehr Tennis zeigt. Man fühlte sich zurückversetzt in die Neunzigerjahre, als ständig der Muster spielte (und Eurosport allen Ernstes regelmäßig Sumo übertrug).

Lustig ist ja, dass die ORF-Kommentatoren inzwischen merkbar aus der Übung sind. Sie wollen, wie beim Fußball, viel reden, das geht beim Tennis aber nicht gut. „ Vorhand, Rückhand, Vorhand, Vorhand, Rückhand...“ wäre ziemlich fad. Ebenso „Und Thiem zu Nadal, Nadal zurück zu Thiem, Thiem wieder zu Nadal...“. Also sagen sie lustige Sachen wie: „Nadal weiß jetzt, was auf ihn zukommt, wenn er es nicht längst gewusst hat, hat er natürlich.“