Kevin nicht allein

Reden ist eine riskante Sportart, wenn man nicht in Übung ist, man tut sich leicht weh.

Guido Tartarotti | über die Weihnachtszeit als Fernsehzeit

Die Weihnachtsfeiertage sind Fernsehzeit. Warum? Meine Theorie dazu geht so: Zu Weihnachten haben die Menschen Zeit und Gelegenheit, miteinander zu reden. Das ist gefährlich: Reden ist eine riskante Sportart, wenn man nicht in Übung ist, man tut sich leicht weh. Also sehen die Menschen miteinander fern – man muss nichts reden, und trotzdem ist es nicht still.

Das Weihnachtsprogramm ist jedes Jahr gleich. Bruce Willis und Geena Davis errichten im Namen des Guten Leichenberge, auf anderen Sendern hinterlassen diverse singende Domspatzen oder Schlagerstars Verheerungen, und stets ist Kevin angeblich irgendwo allein, was so nicht stimmen kann, denn mittlerweile gibt es allein bei uns Zigtausende Kevins.

Manchmal hat man Glück, und man erwischt irgendwo, gegen drei Uhr Früh, einen großartigen alten Film. Das ist fast so schön wie reden.

Erstellt am 23.12.2012