Harald Schume

© jürg christandl

Meinung Kolumnen Im Bild
03/29/2012

Im Bild: Verkörperte Fantasie

Mit Karl May verbindet Alfons Haider die größte Enttäuschung seines Lebens: Der Autor hat sich alle seine Romane nur ausgedacht.

von Harald Schume

Wir haben Reinhard Jesionek den Ausflug in die Politik verziehen. Nicht auszudenken, wenn er heute Infrastrukturminister oder Staatssekretär für Finanzen wäre – wie kämen denn wir ORF2-Seher dazu, ohne unseren Lieblingsmoderator auskommen zu müssen, den wir zu Wurlitzer-Zeiten mögen gelernt haben? Jesionek ist wie geschaffen für das bunte Jahreszeiten-Format, das derzeit "Frühlingszeit" heißt und täglich im Vorabend läuft: Seit Juni 2007 plaudert er sich charmant durch die 50 Minuten, letztens stach ein Beitrag über Karl May in die Ohren, der heute vor 100 Jahren gestorben ist. In Summe wurden 200 Millionen Karl-May-Bücher aufgelegt und in 40 Sprachen übersetzt. 200 Millionen!Dem Autor und Journalisten Dieter Chmelar fiel zu May Karl Folgendes ein: "Das ist der, der die Fantasie verkörpert. Er war nie irgendwo und hat alles so geschildert, wie es war."Entertainer Alfons Haider sagte: "Mit Karl May verbinde ich die größte Enttäuschung meines Lebens. Als ich als Jugendlicher (...) draufgekommen bin, das ist ein Mensch aus Deutschland, (...) der uns das alles vorgegaukelt hat, war ich furchtbar enttäuscht." Nun, welche Expertise verkörpert die Fantasie wohl eher?

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