über ORF, Hofer, Terror und Recherche.
05/21/2016

Fatale Blöße

von Georg Leyrer

Einen ORFEklat hätte dieser ernüchternde Wahlkampf nicht auch noch gebraucht

Georg Leyrer | über ORF, Hofer, Terror und Recherche.

Einen ORFEklat hätte dieser ohnehin schon ernüchternde Wahlkampf nicht auch noch gebraucht. Norbert Hofer sollte des Fabulierens über einen nie geschehenen Terroranschlag überführt werden; stattdessen lieferte sich der ORF im letzten Wahlkampf-Duell eine fatale Blöße: Dass Hofer wirklich etwas erlebt hat – wenn auch etwas anderes, als er behauptete – war leicht herauszufinden und wurde doch übersehen.

Selbst in der gereizten Stimmung eines Umbruches ist es unter den wichtigsten journalistischen Aufgaben, Un- oder Halbwahrheiten von Politikern aufzuzeigen. Aber dann muss alles, wirklich alles getan werden, um Gewissheit zu haben, dann muss unbedingt gecheckt, nochmals gecheckt und gegengecheckt werden. Dann darf nicht eine einfache Google-Suche schon aufzeigen, dass hier etwas übersehen wurde. Der ORF hat der Paranoia jener, die sich vom System verfolgt fühlen, neues Futter gegeben, anstatt für Fakten zu sorgen (etwa zur Frage, warum die FPÖ plötzlich so auf die Beziehungen zu Israel pocht).

Das wurde bestärkt dadurch, wie der ORF die Causa behandelte: Man mauerte. Der ORF wollte, in schlechter Tradition, selber das Urteil über den ORF sprechen: Armin Wolf verlautete einfach auf Facebook, dass es „kein ORF-Skandal“ sei. Erst in der Zeit im Bild folgte ein „Faktencheck“. Gegenüber dem freiheitlichen Stiftungsrat Steger hatte ORF-General Alexander Wrabetz zuvor offenbar Bedauern ausgedrückt, nachdem Steger den Entzug seiner Unterstützung für Wrabetz thematisiert hatte.

Das alles aber kann niemals Rechtfertigung sein für die abscheulichen Online-Reaktionen, in denen triumphierend Gift und Niedertracht versprüht wurde, auf eine Art, die ruinös ist für dieses Land.

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