über den Zustand des Fernsehens.
10/27/2013

Das Ende der Verdrängung

von Guido Tartarotti

Offenbar ist dem ORF Schlager-Eskapismus mit Carmen Nebel wichtiger als Hugo Portisch.

Guido Tartarotti | über den Zustand des Fernsehens.

Man kann sich das nicht mehr vorstellen: Als 1982 die ersten Folgen von „Österreich II“ ausgestrahlt wurden, waren die Straßen leer. Hugo Portisch und Sepp Riff hatten einen Weg gefunden, den Österreichern das beizubringen, das sie angeblich lieber vergessen wollten: Zeitgeschichte. Das einfache Konzept – Originalbilder, Interviews mit Zeitzeugen, Kommentare von einem Mann, dem ganz Österreich glaubte – ging auf. Millionen Österreicher befassten sich mit jenen Fragen, um welche sich viele Geschichtslehrer jahrzehntelang gedrückt hatten. „Österreich II“ hat das Land verändert – das bedeutete den Anfang vom Ende der Verdrängungskultur. Jetzt, mehr als 30 Jahre später, liefen die ersten Folgen einer großartigen, bearbeiteten Neufassung – und zwar auf ORFIII. Auf ORF2 – das ein ungleich größeres Publikum erreicht – war kein Platz. Offenbar ist dem ORF Schlager-Eskapismus mit Carmen Nebel wichtiger als Hugo Portisch. Das sagt viel über den Zustand des Fernsehens.

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