hund & HERRL: Schokolade

Foto: KURIER

Barolo verändert sein Verhalten.

Als ich zuletzt ins Schlafzimmer meines Hundes Barolo ging, fiel mir das Papier auf, das am Boden lag. Es war keine der Zeitungen, die der Hund gern vor dem Einschlafen durchblättert. Nein, es war ein dunkelbraunes Papier, auf dem in goldenen Buchstaben SCHOKOLADE stand, und ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie dieses Papier wohl auf den Boden des Hundeschlafzimmers gekommen sein könnte. Und mein Hund leistete mir Gesellschaft dabei und verfolgte mit großem Interesse alle meine Versuche, unter dem Tisch die kleinen Fetzen Alufolie hervorzuklauben, die dort, keine Ahnung wie, plötzlich in einem fraktalen Muster verteilt lagen.

Ich meine: Früher wäre der Hund mit eingezogenem Schwanz und angelegten Ohren in den hintersten Winkel des Gästebadezimmers abgezogen, weil er nicht abwarten wollte, dass ich ihm die Nase ins fraktale Muster drücke und ihm einen Vortrag darüber halte, dass Schokolade erstens nicht für ihn bestimmt ist, zweitens dick macht und drittens tot, wenn sie ausreichend dunkel und in entsprechender Menge vertilgt worden ist. Aber jetzt: Der Barolo erinnert sich nicht an meine Strafpredigten. Er schnuppert am braunen Papier, setzt sich die Gleitbrille auf, um die goldene Schrift entziffern zu können, und wenn ich ihm dann doch noch sage, dass er bitte nicht so deppert sein soll und meine Schokolade gefälligst in Ruhe lassen möge, dann schaut er mich mit ehrlicher Empörung an und haucht: "Was? Ich?" Dann verzieht er sich beleidigt in den hintersten Winkel des Gästebadezimmers und denkt darüber nach, was ich wohl für Geschenke vorbereite, um ihn dort wieder herauszulocken. Also alles wie immer. Nur anders.

(kurier / Christian Seiler) Erstellt am
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