hund & HERRL: haarig

Foto: KURIER

Der Hund schaut keineswegs nackert aus.

Mein Hund Barolo liegt vor mir. Er schläft. Er schläft gern und viel, und er träumt, seine Pfoten zucken, weil er im Traum der Katze nachrennt. Weiß jemand von euch, ob Hunde die Katzen im Traum erwischen? Ich bin mir nicht sicher, weil hie und da schmatzt er im Schlaf und leckt sich die Lippen, aber der Mittelteil fehlt.

Der Hund schläft, er liegt vor mir, eindeutig. Aber er ist auch nebenan. Und in der Küche. Im Schlafzimmer ist er nur ein bisschen, weil ich da aufpasse, aber gar nicht im Schlafzimmer ist er leider auch nicht. Nicht persönlich, meine ich. Seine Haare.

Der Barolo verliert Haare, frage nicht. Ich stehe mit Bürste und Plastiksackerl im Stadtpark und kämme den Hund. Aus seinem Fell lösen sich Berge von Haaren. Binnen zehn Minuten habe ich mindestens das gesamte Fell aus dem Fell meines Hundes Barolo gekämmt, aber er steht noch immer da und lässt sich das Kämmen gern gefallen, und ich kann nur sagen: Der Hund schaut keineswegs nackert aus. Ich denke einen Augenblick darüber nach, wie oft ich dem Hund schon so viele Haare aus dem Pelz gerubbelt habe. In dreizehn Jahren muss dabei ein Wohnwagen voller Haare zusammengekommen sein, vielleicht sogar eine kleine Wohnung voller Haare, könnte es die Wohnung sein, in der ich lebe?

Mein Hund Barolo hebt den Kopf und schaut mich unverwandt an. Dann knurrt er, dass er das über mich auch gern sagen würde, und ich verstehe die Anspielung sehr wohl, aber da hat der Hund die Wange schon wieder auf den Parkettboden gelegt und eine Kugel schwarzen Hundeflaums wird von einem Sommerlüftchen in die Ecke meines Zimmers geweht.

(kurier / Christian Seiler) Erstellt am
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