hund & HERRL: Ein Killer

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Was tun wenn Hunde töten?

Ein klassisches Dilemma. Mein Freund hatte einen Hund mitgebracht, der dem Verhaltenskodex eines gefügigen, freundlichen Haustiers nicht entsprach. Der Hund war ein Killer. Er hatte bereits drei Katzen erlegt, und über Hühner und Hasen wollte mein Freund zur Sicherheit nicht sprechen. "Die Rasse", sagte er. "Jahrhundertelange Schärfung des Jagdinstinkts. Keine Chance, in ein paar Monaten damit aufzuräumen."

Mhm. Ich habe einerseits leicht reden. Mein Hund Barolo hat außer einem altersschwachen Maulwurf, der ihn darum anbettelte, totgebissen zu werden, höchstens ein paar inhalierte Wespen auf dem Gewissen. Die Eichhörnchen, denen er nachstellte, luden Freunde und Verwandte ein, um meinen schwarzen Hund zu verarschen. Seine Bilanz als Urenkel des Wolfs ist erschütternd. Als bester Freund des Menschen hingegen ist er eine super Besetzung.

Der Hund meines Freundes. Groß und schlank, Haare wie ein Fuchs und wehleidig wie Zsa Zsa Gabor. Wenn er beim Spazieren auf einen Dorn tritt, weint er bittere Tränen. Aber sobald er ein anderes Tier sieht, will er es entweder vernaschen oder, tja, vernaschen.

Also erörterten wir das Erziehungsthema. Welpenkurs, ja, Unterordnungskurs, ja, drakonische Strafen nach jedem Vorfall - der übelste, als der Killer den alten Kater einer Freundin, wo man übers Wochenende eingeladen war, füsilierte. Aber keine Strafe, noch so hart und entschieden, zeitigte die angestrebte Langzeitwirkung.
Ich sagte: Tierschutzhaus. Mein Freund sagte: Bist deppert?
Wer hat Recht? Was tun, wenn dein Hund ein Killer ist?

(KURIER.at / Christian Seiler) Erstellt am
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