Narrenfreiheit

Es hat etwas sehr Befreiendes über Zoten, Busenhalter, Impotenz und unfähige Politiker zu lachen.

Karl Hohenlohe | über den Villacher Fasching

Kein einziges Mal im Jahr kann man so gut die Nase rümpfen wie beim Villacher Fasching.

Alle rümpfen die Nase, alle, die nicht zuschauen, alle TV-Kritiker, und natürlich alle, die zuschauen und im nächsten Jahr wieder einschalten werden.

Das sind ziemlich viele.

Der Villacher Fasching ist wahrscheinlich weltweit die einzige Veranstaltung, die noch Schwiegermutterwitze im Repertoire hat und bei der Männer in Frauenkleidern für Lachstürme sorgen. Umgekehrt nicht.

Es hat etwas sehr Befreiendes über Zoten, Busenhalter, Impotenz und unfähige Politiker zu lachen, die Pointe: „Für Fragen zur Bildungsinitiative wenden Sie sich an das Bildungsministerium, 1020 Wien, Kennwort Kasperlpost“, war da vielen fast schon ein wenig zu intellektuell.

Apropos, gerade hat man Franz Posch, Doktor der Philosophie und großartiger Bewahrer der unverkitschten Volksmusik, zum „Ehrenmitglied der Villacher Faschingsgilde“ ernannt. Dies ist ebenso erfreulich wie seltsam. Steht doch Dr. Posch für das Wahrhafte, Unverfälschte, Aufrichtige, Gediegene, hingegen entspricht der „Villacher Fasching“ innerhalb der klassischen Kabarettszene eher dem volkstümlichen Schlager.

Niemals aber würde Herr Dr. Posch über den Kärntner bunten Abend die Nase rümpfen. Die einen lachen laut, die anderen lachen leise, hier regiert der Schlag auf den Schenkel, da freut sich das Herz. Bedenklich wird es ja erst, wenn man das Lachen verlernt oder wie man diesbezüglich in Kärnten sagt, aus der Not keine Tugend macht.

Erstellt am 08.01.2013