Ringparabel

Vom Kinderspielzeug wieder zum Schmuckstück zurückgeadelt.

Karl Hohenlohe | über den Ring von Frau Jagger

Verloren lag ich auf der Straße, irgendwo in Salzburg. Bisher hatte ich den Finger von Frau Bianca Jagger geziert, war dann unabsichtlich, quasi, vom roten Teppich auf den Bürgersteig gerutscht und verharrte.

Ich wollte immer schon ein Ring sein, in sich geschlossen, wertvoll, ein Blickfang für einen Blickfang.

Gottlob, ich wurde gefunden, aber es war eine Reise vom Regen in die Traufe. Ein Salzburger Unternehmer hatte mich, aber nicht meinen eigentlichen Wert, entdeckt, ich wurde eingesteckt und einem Kind als Spielzeug zugeführt.

Meine eigentliche Besitzerin war außer sich über den tragischen Verlust, irgendwann wandte sie sich an die Öffentlichkeit, bekundete meinen Wert mit 200.000 Euro und wartete – zwei Wochen.

Erst dann kam das alles meinem Finder zu Ohren, ich wurde vom Kinderspielzeug wieder zum Schmuckstück zurückgeadelt und ziere nun endlich wieder den Finger von Frau Jagger, der ich jetzt aber nur mehr 17.000 Euro wert bin. Nun kann man sich über meinen Finderlohn nicht einigen, „nun“ dauert schon vier Jahre.

Es hat immer etwas Beschämendes, wenn sich zwei Menschen über einen Finderlohn nicht einigen können. Das Tragische ist, dass die Öffentlichkeit selbst der unschuldigen Person in dieser Causa ein unanständiges Verhalten anlastet, auch wenn diese Person nichts dafür kann.

Der wirkliche Verlierer bin ich, Wertverlust: 183.000 Euro, hätte man mich nur nie gefunden.

Erstellt am 31.01.2013