über Herbert von Karajan
04/24/2014

Stabhochsprung

von Karl Hohenlohe

Das ganz leicht Gespreizte ist ja fast immer ein Teil jeder erfolgreichen Inszenierung.

Karl Hohenlohe | über Herbert von Karajan

Bei "Seitenblicke" erfuhr man nun von Maestro Herbert von Karajan, dass er seine Dirigentenstäbe gerne zerbrach.

Nein, nicht weil er in Rage geriet oder die Streicher zu früh einsetzten, sondern weil ihm die Dirigentenstäbe gelegentlich zu lang waren.

Er stutzte sie.

"Er hätte auch andere kaufen können", meinte hierzu der gefeierte Dirigent Christian Thielemann und hat vollkommen recht. Jeder andere Dirigent hätte in der Musikalienhandlung ein, zwei Stäbe seiner bevorzugten Dimension gekauft, aber Herr von Karajan war aus einem anderen Holz geschnitzt.

Er war nicht ungern ein wenig theatralisch, er liebte es, wenn ihm die Locke in die Stirn fiel, und ich hege keinerlei Zweifel, dass er vor dem Boudoir-Spiegel immer wieder die Physiognomie eines Entrückten probte.

Wenn H. v. Karajan dann also vor versammelter Mannschaft zum Dirigentenstab griff und ihn wortlos, mit herrischer Geste, um ein Köpfchen kürzer machte, hinterließ dies einen unauslöschlichen Eindruck von Macht und Größe.

Möglicherweise wird man diese Vorgangsweise affektiert nennen, möglicherweise liegt man gar nicht so falsch damit. Das ganz leicht Gespreizte ist ja fast immer ein Teil jeder erfolgreichen Inszenierung.

Nehmen wir den Song Contest, der seit Jahren von einer gewissen Geziertheit beherrscht wird. Gäbe es heute einen Dirigenten-Contest, so einer wie von Karajan hätte ganz ausgezeichnete Chancen auf das Podest.

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