Koffer f├╝r die letzte Reise
04/12/2014

Einfache Fahrt

von Karl Hohenlohe

H├Ątte Charlie Chaplin den Hut oder den Stock eingepackt?

Karl Hohenlohe | Koffer f├╝r die letzte Reise

N├Ąchste Woche wird Kardinal Sch├Ânborn kommen, die Leserschaft kann jetzt schon in das MuseumsQuartier, genauer gesagt in das "Quartier 21", pilgern.

A-, B-, C-Prominente, aber auch von der Heimsuchung des ├Âffentlichen Interesses Unbehelligte, haben f├╝r diese Ausstellung gepackt. Keinen Ranzen, kein Rama-Brot in ein Butterbrotpapier, sondern einen "Koffer f├╝r die letzte Reise".

Das ist ein wunderbares Gedankenspiel. Was nimmt man mit vom Leben, was rettet man hin├╝ber? Das Seltsame ist, dass niemand ├╝ber die letzte Reise nachdenken will, es aber unabdingbar feststeht, dass wir sie alle antreten werden.

Bevor wir also in uns gehen, spekulieren wir erst einmal ├╝ber den Kofferinhalt der anderen. H├Ątte Charlie Chaplin den Hut oder den Stock eingepackt, Citizen Kane seine Rodel und Antal Festetics den Gucker, um besser zur├╝cksehen zu k├Ânnen? Nimmt man die Fotografien der liebsten Verstorbenen mit oder ist es vergebene Liebesm├╝he, weil man der festen ├ťberzeugung ist, dass man sie am neuen Bestimmungsort ohnehin wieder trifft?

Vielleicht sollte man gar nichts hineinpacken, das erleichtert den Ausflug, aber wenn man l├Ąnger nachdenkt, hat man schwer an diesem Gedanken zu tragen. Was daf├╝r spricht: Schon zu Lebzeiten bleibt einem nur das, was man verschenkt hat und warum soll es sp├Ąter anders sein.

Frau Lotte Ingrisch reist ├╝brigens mit einer Flasche Wein hin├╝ber und es w├╝rde mich nicht wundern, wenn ihr die Vorsehung Bordeaux, Chianti oder Rust als letztes Ziel zugeordnet hat.

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