Ges.m.b.H.: Urgestein

Karl Hohenlohe über Wolfgang Ambros, den Columbo unter den österreichischen Musikern.

Gerade konnte man Herrn Wolfgang Ambros in Mörbisch sehen und hören. Herr Ambros, der Columbo unter den österreichischen Musikern, ist gut und gerne 40 Jahre im Geschäft. Wenn er die Bühne betritt, jubeln die Leute und wollen keine neuen Lieder hören. Der Blick vom Publikum und ins Publikum ist nahezu gleich - Akteur und Zuschauer sind alt geworden, die eine Seite etwas älter. Wenn die alten Hadern erklingen, macht sich ein seltsames Phänomen breit: Die einen fühlen sich plötzlich alt, die anderen fühlen sich plötzlich jung. Herr Ambros hat eine unverwechselbare Stimme, das ehemals Kehlige wurde durch eine Verkettung von Urlauten ersetzt, der Gesang ist dem Gebell gewichen. Und das Gebell ist Kult. Es wird weltweit wenige Künstler geben, die sich so nicht bewegen können wie Herr Ambros, aber es käme einer Entweihung seine Persönlichkeit gleich, würde er plötzlich wie ein Derwisch über die Bühne fegen. Die Interviews mit Herrn Ambros sind alle gleich. Immer hat man das Gefühl, er schätzt die Journalisten, aber nicht die Journalistenfragen. Und wenn er endlich eine Antwort formuliert hat, wirkt er erleichtert, wie ein Eleve nach der Aufnahmsprüfung im Reinhardt-Seminar. Äußerlich wird Herr Wolfgang Ambros Herrn Walter Matthau immer ähnlicher. Gleich alten Bergsteigern haben sich die Gräben in sein Gesicht geschnitten, die Augen sind nicht kleiner geworden, aber man kann sie nicht mehr so gut sehen. Und der Enzian, der jeden Gipfelsieg krönt, ist Inspiration für die nächste Etappe. Am Ende des Konzerts wird Herr Ambros lautstark bedankt, man schätzt ihn wegen seiner Tugenden, aber man verehrt ihn wegen seiner Fehler. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011