Meinung | Kolumnen | GesMBH
18.01.2012

Ges.m.b.H.: Tonspuren

Karl Hohenlohe über das Nebeneinander von Ton und Wirklichkeit.

Als man nun am Kulm flog, wurde auch ausgiebig gefeiert.

Mehrere Skiflieger a. D. vom Schlage eines Neuper, Kogler oder Vettori stürmten sogar die Bühne um ihrem Idol, Herrn Toni Innauer, zu huldigen. Für diesen Zweck hatten sie sich zuvor in einem Tonstudio versammelt und ein Lied aufgenommen.Nun wurde es im Playback präsentiert, jedoch es klang fast ganz so, als hätte man live gesungen. Einzig der Gesang, die Einsätze und die mit größter Genauigkeit ausgeführte Asynchronität der Lippenbewegungen schienen noch verbesserungswürdig.Bei "Seitenblicke" war man um Kritikerstimmen bemüht und holte Herrn Dompfarrer Toni Faber und den Star Viktor Gernot vor die Kamera. Da geschah etwas ungeheuer Seltsames. Während Herr Gernot das eben gehörte als "Weltklasse" einstufte, ortete Toni Faber noch "Steigerungsmöglichkeiten" .

Die Zuschauer, die ja von Schlager, Musical, Gospel und Orgelmusik nichts verstehen, waren mehr als verdutzt, niemand half ihnen, den Gesang der Skispringer a. D. einzuordnen. Hatte es ihnen ge- oder missfallen?

Ungeheurer Zorn machte sich breit. Die Kluft zwischen "Weltklasse" und " Steigerungsmöglichkeiten" ist einfach zu groß, selbst jene Tatzeugen, die den göttlichen Gesang als solchen nicht erkennen konnten, verfluchten nach dem hymnischen Gernot-Urteil ihre Schweinsohren.Andere wieder, denen der Vortrag so wunderbar gefallen hatte, fielen plötzlich in ein schwarzes Loch.Übrig bleiben die Herren Faber und Gernot, nicht auszuschließen, dass sie bald auf offener Straße eine Dachtel kassieren.Einladungen, Beschwerden, Hinweise:office@hohenlohe.at